oft schon ihre Unschuld verloren hat, ehe sic zu demBewußtsein derselben gelangte. — Wenn Engel, wennhöhere Wesen weinen könnten, ihre Thräncn würden um dieseOpfer der Sünde am häufigsten fließe». Wie früh wird daschon die Nöthc der Schamhaftigkeit vom Hauche der thicrischenLust hinwcggcblascn! Wie früh schon die Heuchelei in das Herzdes sonst harmlosen Kindes gepflanzt, welches die Laster, die csim Geheimen a» sich verübt, verbergen möchte! Ach, die be-trogenen Aeltern, welche im gutmüthigcn Glauben noch eine Un-schuld an ihr Herz zu drücken wähnen, umarmen schon einen ge-heimen Verbrecher; und wie manche Mutter meinte, trostlos überdem Sarge eines reine» Engels zu jammern, während die Kränk-lichkeit, die bleiche Farbe, die Nervenschwäche, die außerordent-liche Reizbarkeit, der allzufrühe Tod des Kindes, nur die Fruchtgeheimer Sünde war!
Gewissensbisse und Reue sind im Gefolge jeder verbotenenHandlung, und verboten ist, was man nicht öffentlich einzuge-stchcn wagt. Die Wollust aber, mit welcher sich die Jugend be-fleckt, wird noch von gräßlichem Ucbcln bestraft. Frühe Ent-kräftung, frühes Verblühe» und Abwclkc», unver-meidliche Stunden der Schwcrmuth, die mit dem Hangzum Selbstmord enden, folgen dem jungen Sünder.
Wenn er mit blcichgclbcn Wangen, mit erloschenem Blick da-steht neben dem blühenden, keuschen Jüngling, neben der sitt-samen, schuldlosen Tochter: wie muß ihn dieser Anblick beugen!Das Laster hat sich, ihn verhöhnend, an seine Stirn geschrieben;cs verkündet sich ans seiner ganzen Haltung. Er wagt es nicht,dem Tugendhaften frei und heiter in das Auge zu sehen, undfürchtet in Jedem, der ihn betrachtet, einem Entdecker seinerSchande zu begegnen.
Beklagenswürdiger, höre ans, dich zu zerstören, höre auf,