Die Gefahren der Wollust.
1. Kor. K, 18.
Laß Deiner Wahrheit rcincö Licht.
Du Reiner, nie verlieren,
Uns stets vor Deinem AngesichtMit Scham und Unschuld zieren;
Und Schmcichlcrstimmcn »nS entzieh'».
Und jeden Reiz zur Sünde flieh»,
UnS durch Gebet bewahren.
Ä8enn die Sünde muthig von allen Gcmüthcrn znrückgcwicscnwird, und sic umsonst eines Herzens sich zu bemächtigen strebt,dann nimmt sie die einschmeichelnde Gestalt der Freund-schaft und Liebe an, hüllt sich in das Gewand der Tugendoder der Freude, hängt sich an unsere schönsten Gefühle und ver-giftet die Seele durch den Körper.
Und welches Laster ist in unfern Tagen gemeiner, als dasLaster schnöder Wollust? — Herrscht cs nicht in der niedrigstenHütte, wie in Palästen? Ist nicht oft der Richter, welcher denStab über das Leben der Kindcsmördcrin bricht, strafbarer, alsdie unglückliche Verführte? Ist der Ehebruch nicht allzuoft dieSchmach derer geworden, welche das Volk regieren, und ihm einVorbild gesetzmäßigen Wandels sein sollen? Vergiftet der Hambder Wollust nicht schon den reinen Sinn der Jugend, und tödtctdie Blüthcn der Unschuld, ehe sich dieselben entfalten konnten?
Wo weilt die Einfalt der Sitte», wenn sic nicht mehr unterdem Strohdachc des Landmanns beherbergt wird, und selbst dieArmuth nicht ihre Schnßwchr sein kann? Wo soll ich das Glückehelicher Treue suchen, wenn cs selbst ans der ehrwürdigsten