Druckschrift 
6 (1853)
Seite
60
Einzelbild herunterladen
 

Jünglings geneigt ist. Das Männlich-Edlc verschwindet, undder Thor hofft durch die Weichheit, Zartheit, Schwäche und Zier-lichkeit, die er am andern Geschlecht reizend findet, wenn er der-selben nachabuit, zu gefallen. So entstehen jene Zerrbilder desmännlichen Wesens, welche in der Putzsucht, Modelicbhabcrci,Begierde in Kleinigkeiten gewandt zu sein, mit den Weibernwetteifern, und sich damit nicht selten dem Spott der Edler» unterdiesen prcisgcbcn.

Die Gefallsucht der Männer durch äußere Zierlichkeit magso lange in der Reihe bloßer Lächerlichkeiten stehen, als sie sichmit der Hoffnung begnügt, durch das Unmännliche Bewunde-rung und Achtung zu erregen. Sic wird zur widerlichen Thor-hcit, wenn sic zudringlich wird, und sich schmeichelt, daß jedesweibliche Herz ihr huldigen müsse. Sic wird verbrecherisch, wennsic ihre Künste aufbictet, wirklich Weiber zu unerlaubten Nei-gungen zu reizen; wenn sie in süßen Worten Gefühle heuchelt,die ihr fremd sind.

Die ersten Empfindungen der Liebe, welche in der Brust desJünglings gegen die Jungfrau erwachen, sind selten wenndiele Brust nicht ein schon früh vergiftetes Herz beherbergtunrein. ' Sic mögen nnzeitig, unklug, allen bürgerlichen Ver-hältnissen widersprechend und darum tadelnswcrth sein, wenn sicnicht früh unterdrückt werden, sondern in eine alle Vernunft be-täubende Leidenschaft entarten; an sich selbst aber bleiben sieedel. Sie sind cs, wenn sie den Jüngling vor Ausschweifungenniedriger Art bewahren, und ihn zu Allem begeistern, was gutund groß ist.

Aber nur zu oft verwandelt sich unter dem Leichtsinn des ju-gendlichen Gcmüthcs das erste Gefühl der Liebe in ein Bedürf-nis! der Eitelkeit, sich geliebt zu sehen, ohne wahre Gegenliebezu empfinden, oder crwiedern zu wollen, Es wird ein bcständi-