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6 (1853)
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muth Lurch Wahl dcS Schmuckes zu erheben, LeuSchmuck selbst zur Hauptsache macht. Nicht er ist diewahre Schönheit des Weibes, sondern cs ist der aus allen Ge-bcrden hervorstrahlcnde Reiz der Unschuld, Sittsamkcit, Demuth,Zucht und Holdseligkeit. Diesem Reiz, dieser das Acußcrc ver-klärenden Scclcnschönheit soll das Gewand und der Schmuckentsprechen. Zn ihm sollen die stillen weiblichen Tugenden soredend wohnen, wie in der Ordnung, Zierde und Lieblichkeit derWohnungen. Der kostbare Stoff, das thcurc Juwel kann Rcich-thum verkünden, kann den kleinlichen Stolz vcrrathcn, seine Herr-lichkeit vor den Leuten zur Schau hcrumtragcn: aber die Schön-heit wird dadurch nicht gehoben, sondern verdunkelt. Wer findetein prunkendes Weib und dessen Hoffart erträglich, oder die Jung-frau durch Eitelkeit liebenswürdig, die sie nicht verhehlen kann?

Wer allen Werth auf sein Acußcrlichcs setzt, be-kennt damit, daß er den höhcrn inner» Werth frei-willig versäumt, oder schon verloren hat. Niemandehrt und liebt das Weib, weil es Schmuck trägt, sondern derSchmuck gefällt erst, wenn ihn Anmuth und Tugend des Wei-bes adeln. Die unmäßige Beschäftigung mit Verzierung seinesÄußern, jene Putzsucht, durch welche eine edle Zeit des Lebens ver-schwendet und die Vollstreckung weit heiligerer Pflichten beschränktwird, ist bei dem Weibe der Uebergang zur Unnatürlichkeit. ESist ihm mehr darum zu thun, sich hcrvorzuthun und aufzufal-len, als zu gefallen. Es fängt an zu vergessen, daß derMensch eigentlich seinem Kleide, nicht aber daß das Kleid seinemMenschen den Werth in Anderer Augen gibt. Die Putzsucht ver-wirrt, wie jede andere Leidenschaft, den gesunden Menschenver-stand, verkehrt alle Begriffe, sogar die Vorstellungen vom An-muthigen und Schönen selbst, für welche sich doch die Putzsuchtzuerst in das Leben rief.