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6 (1853)
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standes. Sie stellen nicht dar, was ist nnd sein soll, denn siekenncn cs ja nicht! sondern liefern cin Gcspinnst von Träumen, denenNatürlichkeit und ein höherer Zweck fehlen. Sie suchen durch Neu-heit ihrer Bilder zu gefallen, und wählen abcnicucrliche Engel undTeufel, aber nicht die Macht des menschlichen Gcmiithcs. Siegeben nur wieder, was sie durch Viellesern cingcsogcn haben.

Man nimmt von der Welt, mit der man am häufigsten um-geht, Denkart und Stimmung an. So darf cs uns nicht wun-dern, wenn diejenigen einen Ekel am bürgerlichen Leben unddessen Verhältnissen empfinden, die, mit verwöhnter Einbildungs-kraft und überreizter Empfindsamkeit, darin weder den Wechselund die Wunderbarkeit der Zufälle, noch die Gestalten ihrerTräumereien wiederfindcn; wenn sie sich überall gern selbst zutäuschen suchen, und über Elend jammern, sobald der Ernst derkalten Wirklichkeit ihre Trugbilder zerstört. O, wie unendlichviel des häuslichen Unglücks strömt aus diesen Quellen!

Den verderblichsten Einfluß hat die Lesesucht aufdie Jugend, thcils weil in derselben das unerfahrnc Herz amempfänglichsten für Eindrücke jeder Art, theils weil die Einbil-dungskraft ohnehin das thätigstc ihrer Scelenvermögcn ist. Wirftdann ein unglücklicher Umstand, Schlechtigkeit der Büchcrans-lcihcr oder Verkäufer, Nachlässigkeit der Erzieher, Unachtsamkeitder Acltcrn, ein auf Sittenvcrdcrbniß berechnetes Buch, dasMachwerk eines geilen Wollüstlings, in ihre Hand; wird ihreEinbildungskraft mit unanständigen Vorstellungen, mit ver-schönernden Gemälden viehischer Triebe, mit Verzierungen desVerbrechens vertraut gemacht wer rettet dann das schirmloseHerz vor der vergifteten Phantasie? Sehet da die geheimen,nur selten mit verdientem Fluch genannten Ursachen der Altklug-heit und frühe» Reife der Jugend, ihrer Erfahrenheit in denLaster» der Wollüstlinge, ihrer innersten Ruchlosigkeit bei äußerer