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6 (1853)
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Das Weib ist in seiner Natur und Vollendung das edle Gc-genbild des Mannes. Er, geschaffen znm Wirken und Handelndraußen im Wcltgcwühl; sie, unterm Dach der Hcimath diestille Welt des häuslichen Lebens zu bilden. Er, furchtlos, trotzig,in den Gefahren kühn, daß er das Widerspenstige ordne, durchStärke herrsche; sic herrscht durch Anmuth und Milde. Er,Alles Lurchspähcnd, ermessend, zu allerlei Gcwerb und Verhält-nis- tüchtig, wird fast ganz znm Geschöpf der Kunst; sic. einePriestcrin der natürlichsten Pflichten und Zwecke, bewahrt mit derNatürlichkeit zugleich in derselben ihren reinsten Werth.

So wie die Außenwelt der Innenwelt, die Knust der Na-tur, die Stärke der Anmuth gegcnübcrstcht: so steht der Manndem Weibe gegenüber im Irdischen. Im Uebcrirdischen aberfind die Bestimmungen beider Geister eins; Religion ist derewige Lebenskranz beider. Und so erkennen wir mit dem Wesendes weiblichen Berufs den streng bezcichnetcn Umfang weiblicherBildung.

Anmuth ist köstlicher denn Schönheit. Die Schönheit irdi-scher Natur verblüht nach wenigen Zähren; die Anmuth ist derReiz der Seele, und schmückt noch das Grciscnalter. Es gibtwohl blühende Gestalten, regelmäßige Gesichtszüge; aber wasden Sinnen gefallt, entzückt nicht immer das Gcmüth. ES istein gemeiner Fall, daß schönen Weibern jener Zauber der An-muth fehlt, welcher durch Milde, zartsinnige Achtsamkeit undansprnchlosc Würde Aller Herzen fesselt. Die Schönheit gewinntschnelles Gefallen, doch wird sie dasselbe nicht fcsthalten. DieAnmuth macht auch äußere Mängel liebenswürdig, und gründetzwar langsam, doch dauerhafte Herrschaft.

Das Streben, zu gefallen, und durch das Gefällige mächtigzu sein, ist im Wesen des weiblichen Geschlechts. Nur zu ge-wöhnlich wird aber das Nnmuthige schon durch Erziehung per-