108
Seite sein. Ha! heiligster Patriarch, würde nicht eine solcheAussicht dem eifrigsten Kreuzfahrer die Lust nach dem bren-nenden Sand von Palästina benehmen?"
„Zumal," antwortete der Patriarch, „wenn der Fürst,für den eine so reiche Provinz in ein Lehe» umgewandeltworden ist, zuvor zu dem allein wahren Glauben bekehrtworden, wie es Ew. kaiserliche Hoheit gewiß meint."
„Freilich — das ist keine Frage —" antwortete der Kaisermit gezwungenem Ernst, obwohl er sich erinnerte, wie oft erdurch politische Rücksichten genöthigt gewesen war, nicht nurlateinische Christen sondern auch Manichäer und andere Hä-retiker ja selbst inohamedanische Barbaren als Unterthanenanzunehmen, ohne von Seiten des Patriarchen Einreden da-gegen zu erfabren. „Ich finde hier," fuhr der Kaiser fort,„ein so zahlreiches Verzeichniß von Fürsten und Fürstenthümern,die sich unseren Gränzen nähern, daß sie den alten Heerengleichkommen mögen, von Lenen man sagt, daß sie auf ihremZuge Flüsse ausgetrunken, Königreiche rein geleert und Wäl-der niedergetreten hätten." Als er diese Worte sprach, über-zog eins flüchtige Bläffe die kaiserliche Stirne ähnlich der-jenigen, die bereits die Züge seiner meisten Rathgeber mitErnst bekleidete.
„Dieser Völkerkrieg," sagte Nicephorus, „hat Eigen-thümlichkeiten, die ihn von jedem anderen Kriege unterschei-den, der ausgenommen, den Se. kaiserliche Hoheit in früherenZeiten gegen die von uns sogenannten Franken geführt hat.Wir müssen gegen ein Volk stehen, dem Kampf der wahreLebensathem ist, das, wenn es keinen Krieg hat, seine näch-sten Nachbarn befehdet oder sich unter einander zum Zwei-kampf fordert, gerade wie man bei uns einen Freund zueinem Wagenrennen auffordert. Sie sind in eine undurch-