4
daß der bessere Glaube» seine Früchte gebracht habe, indemer nach und nach die Herzen besserte und die Leidenschaftendes Volkes zähmte. Doch während sich viele der Bekehrtenin Demutl, zu dem neuen Glauben wandten, schränkten einigein der Vermessenheit ihres Verstandes die Schrift nach ihrenMeinungen ein, und andere machten aus dem religiösen Cha-rakter und dem geistlichen Stand Staffeln, um zur weltlichenMacht emvvrzustreben. So kam es, daß die Wirkungen diesergroßen Umwälzung, wiewohl sie eine alsbaldige Ernte brachte,und manchen guten Samen für die Zukunft ausstreute, imvierte» Jahrhundert nicht dem großen Frühlinge glichen, wieer das Ergebniß der christlichen Grundsätze hätte sein müssen.
Grade der erborgte Glanz, womit Cvnstantin seine Stadtschmückte, schien auf einen vorzeitigen Verfall zu deuten. Indemder kaiserliche Gründer alte Statuen, Gemälde, Obelisken undKunstwerke aufbringen ließ, beurkundete er sein Unvermögen,ihren Platz Lurch neue Erzeugnisse des Genies zu ersetzen; undwenn die Welt und namentlich Nom ausgeplündert wurdeConstantinvpel zu verzieren, so kann man den Kaiser, unterdem dies geschah, einem verschwenderischen Jüngling verglei-chen, der einer betagten Verwandtin ihren Mädchenputz raubt,um eine eitele Geliebte damit zu zieren, welcher jener Schmuckgar nicht zu Gesicht steht.
Als sich im Jahr 324 das kaiserliche Constantinvpel ausdem bescheidenen Byzanz erhob, zeigte es schon bei seinerEntstehung und in seiner entlehnten Pracht Merkmale deseilenden Verfalls, zu dem die ganze civilisirte Welt, welchedas römische Reich damals einschloß, tief und still hinneigte.Auch dauerte es nicht lange, bis sich die Voraussage diesesVerfalls als völlig wahr erwies.
Im Jahr 108V bestieg Alexius Comnenus de» Thron des