Ungeachtet aller dieser bedenklichen Zeichen konnte LadyAshton die Heirath ihrer Tochter nicht aufschieben, nachdem sieso weit gegangen war. Es kostete ihr viele Unruhe, Bucklawnur die schöne Seite vorzuhalten. Sie wußte wohl, daß,wenn er einmal einen Widerwillen von Seiten ihrer Tochtersähe, er den Vertrag zu ihrer eigenen großen Schande brechenwürde. Sie entschloß sich daher, daß, wenn Lncie fortführe,sich leidend zu verhalten, die Vermählung ans den bereitsanberaumten Tag gefeiert werden solle, und sie hoffte, daßeine Veränderung von Ort, Lage und Verhältnissen auf dasleidende Gemüth ihrer Tochter geschwinder und einflußreicherwirken würde, als die langsamen Kuren, welche die Aerzteempfahlen. Die Sucht, seine Familie zu vergrößern, und sichgegen die Pläne des Marquis von A— zu rüsten, verleiteteSir William Ashton, eine Sache zn befördern, die er nichthätte hindern können, auch wenn er es gewollt hätte. Wasdie jungen Männer, Bucklaw und Colonel Ashton, betrifft,so betheuerten sie, daß es nach Allem, was vorgefallen wäre,höchst schimpflich sein würde, die anberaumte Vermählungs-zeit nur um eine Stunde zu verschieben, weil man den Auf-schub allgemein der Einschüchterung, die Ravenswood durchseinen Besuch und seine Drohungen eingeflößt habe, znschrei-ben würde.
In der That, Bucklaw wäre nicht fähig gewesen, auf die-ser Beschleunigung zu bestehen, wenn er die Gesundheit undden Gemüthszustand von Miß Ashton gekannt hätte. DieSitte erlaubte nur einen geringen Verkehr zwischen Bräuti-gam und Braut, ein Umstand, den Lady Ashton so wohlbenutzte, daß sich Bucklaw des wahren Gesundheits- und Ge-müthszustandes seiner unglücklichen Verlobten gar nicht versah.
Am Tage vor der Vermählung schien Lncie in ihrer leich-