Druckschrift 
16 (1851) Die Braut von Lammermoor
Entstehung
Seite
161
Einzelbild herunterladen
 

161

verstrickt war, deren sie sich nun herzlich schämt, unser wcrtherBucklaw ihren Wunsch verzeihen wird, mich bei der Unterre-dung gegenwärtig zu sehen."

Gewiß, meine thenre Lady," sagte Bucklaw,das ist es grade,was ich gewünscht habe, denn ich verstehe mich so wenig aufdie sogenannte Galanterie, daß ich leicht einen verwünschtenMißgriff thun konnte, wenn mir Ew. Herrlichkeit nicht zuHülfe kommt"

Auf diese Weife vergaß Bucklaw in seiner augenblicklichenVerlegenheit den gerechten Verdacht, den er genährt hatte, daßnämlich Lady Ashton dem Herzen ihrer Tochter Gewalt an-thue, und er verlor die Gelegenheit, sich durch eigene Prüfungvon dem wahren Gefühle Lucicns zu überzeugen.

Die übrigen Herren verließen das Zimmer, und bald darauftrat Lady Ashton in Begleitung ihrer Tochter herein. Sieerschien wie bei früheren Gelegenheiten eher gefaßt als beunru-higt, aber ein besserer Richter als Bucklaw hätte cs kaum ent-schieden, ob ihre Gelassenheit aus Verzweiflung oder aus Gleich-gültigkeit herstamme. Bucklaw hatte mit seinen eigenen Gefühlenzu viel zu schaffen, als daß er die der jungen Dame genau hättebeobachten können. Er stotterte eine unzusammenhängende An-rede, er verwechselte die Dinge, die er vorbrachtc, mit einander,und er blieb kurz stecken, ehe er ausgeredet hatte. Miß Ash-ton horchte oder schien zu horchen, aber sie gab keine Sylbezur Antwort, und fuhr fort, ihre Augen auf eine kleine Sticke-rei zu heften, mit welcher, wie nnwillkührlich, ihre Fingeremsig beschäftigt waren. Lady Ashton saß in einiger Entfer-nung, und war durch die Fcnstervertiefung, in die sie ihrenStuhl gesetzt hatte, fast ganz versteckt. Bon da flüsterte siemit einer Stimme, die, wiewohl sanft und süß, doch et-Die Braut orn Lammermoor. II. II