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nicht mehr in offene Gewaltthaten ausbrach. Weder die Gefühle,die Ravcnswood begonnen hatte, gegen Lucie Ashton zu nähren,noch die Gastlichkeit, die er seinen Gästen schuldig war, konn-ten, so warm sie auch stritten, jene tiefe Leidenschaft gänzlichunterdrücken, als er den Feind seines Vaters in der Halle derFamilie stehen sah, deren Sturz derselbe so sehr beschleunigthatte. Sein Blick fiel vom Vater auf die Tochter mit einerUnschlüsflgkeit, deren Verlauf abzuwarten, Sir William Ashtonnicht für gut fand. Dieser letztere hatte bereits sein Reitkleidabgelegt, und nachdem er sich seiner Tochter genähert hatte,loste er das Band ihrer Maske.
„Liebe Lucie," sagte er, indem er sie auf Ravenswood zu-führte, „lege die Maske weg, und geben wir dem Herrn freiund unverhüllt unfern Dank zu erkennen."
„Wenn er so gut sein will, ihn anzunehmen," war Alles,was Lucie hervorbrachte; aber ihre Stimme tönte so sanft, unddrückte das Gefühl über die kalte Aufnahme und die Verzeihungderselben so wohl aus, daß die Worte des so unschuldigen und soschönen Geschöpfes sein strenges Herz durchschnitten. Er murmelteetwas von Ueberraschung und Verlegenheit, und indem er mitWärme und Lebendigkeit die Freude ausdrückte, ihr in seinemHause ein Obdach anbieten zu können, grüßte er sie nach den da-mals üblichen Regeln des Anstandes. Ihre Wangen hatten sichberührt, und sich wieder von einander entfernt — Ravenswoodhielt noch immer ihre Hand mit freundlicher Höflichkeit fest — eineRöthe, die bei weitem mehr Wichtigkeit auf diese Höflichkeitsbe-zeigung legte, als es gewöhnlich der Fall war, bedeckte die schönenWangen von Lucie Ashton, als auf einmal die Halle in einemBlitzstrahl erglänzte, der ihre Dunkelheit völlig zu verschlingenschien. Für einen Augenblick mochte man jeden Gegenstand deut-lich unterscheiden. Die zarte und hinsinkcnde Gestalt von Lucie
Die Braut von Lammeriuoor- I. II.