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rückhaltende Benehmen des Hern« von Ravenswood, das mitdem Ausdruck seines Aeußeren so wenig in Uebercinstimmungwar, daß der Widerspruch Staunen erregte, bei ihrem Nach-sinnen nicht ohne Beachtung blieb. Sie wußte nicht viel vonNavenswood, so wie von dem Streite, der zwischen ihremund seinem Vater obgewaltet hatte, und vielleicht begriff siekaum in ihrer Herzenseinfalt die bitteren Leidenschaften, diedurch ihn erzeugt worden waren. Aber sie wußte, daß Ra-venswvod von edlem Stamme sei, daß er arm sei, obschonder Abkömmling von Edlen und Reichen, und sie fühlte, daßsie den Stolz billigen könne, womit er sich dem Danke dessen,der sein väterliches Haus und Gut besitze, entzogen habe.Würde er gleichfalls ihre Erkenntlichkeit gescheut und ihreNähe vermieden haben, wenn ihr Vater ihn milder und in-ständiger ersucht hätte, wenn sein Gesuch von der Anmuthbegleitet gewesen wäre, welche die Frauen so wohl sich anzu-cignen wissen, wenn sie die heftigen Leidenschaften des rauhe-ren Geschlechts begütigen wollen? Das mar eine gefährlicheFrage, die sic sich that — gefährlich in ihrem Wesen wie inihren Folgen.
Kurz, Lucie Ashton befand sich in jenen Jrrgängen derEinbildungskraft, die einem jungen und zarten Gemüthe sogefährlich sind. Wahr ist es, Zeit, Entfernung, Veränderungdes Orts und neue Umgebungen würden ihre Schwärmereiso bald zerstreut haben, wie die so vieler Anderen; aber ihrAufenthaltsort blieb einsam und ihr Geist ohne Zerstreuungs-mittel. Diese Einsamkeit wurde hauptsächlich durch die Ab-wesenheit der Lady Ashton verursacht, die sich dermalen inEdinburq aufhielt, den Fortgang eines Staatsstreiches zubeobachten; der Lord Keeper empfing keine Höflichkcits- oderFestesbcsuche, und war von Natur verschlossen und ungesellig;
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