Als der Ritter das Zimmer durch die eine Thür verließ,führte das nachgeahmte alte Weib Katharina Glover durchdie andere herein. Das Zimmer war sorgfältig in Zwielichtgehüllt, so daß Katharina ohne den mindesten Argwohn dieanscheinend weibliche Gestalt auf dem Bette liegen sah.
„Ist es das Mädchen?" fragte Rothsay mit einer natürlichzarten Stimme, die er nun sorgfältig nur flüsternd hören ließ— „Laß ste näher treten, Griselda, und unsre Hand küssen."
Die vermeinte Amme führte das zitternde Mädchen zurSeite des Bettes und ließ ste niederknieen. Katharina thatdies und küßte mit vieler Demuth und Einfalt die behand-schuhte Hand, welche die falsche Herzogin ihr entgcgenhielt.
„Fürchte Dich nicht," sagte dieselbe musikalische Stimme;„in mir stehst Du nur ein trauriges Beispiel der Eitelkeitmenschlicher Größe — glücklich diejenigen, mein Kind, derenStand ste unter die Stürme des Staates stellt "
Während er so sprach, legte er die Arme um KatharinensNacken und zog sie gegen sich, als wollte er sie zum Zeichendes Willkommens küssen. Aber der Kuß ward mit einem Eifergegeben, der so sehr die Rolle der schönen Beschützerin über-schritt, daß Katharina, in der Meinung, die Herzogin sei vonSinnen, laut aufschrie.
„Still, Närrin! ich bin es — David von Rothsay."
Katharina sah umher — die Amme war gegangen undindem der Herzog den Schleier abriß, sah sie sich in der Ge-walt eines kühnen jungen Wüstlings.
„Nun sei Gott mit mir!" sagte ste; „und er wird es,wenn ich mich nicht selbst verlasse!"
Als dieser Entschluß in ihrer Seele erwachte, unterdrücktesie ihre Neigung zu schreien und bemühte sich so viel als mög-lich ihre Furcht zu verbergen.