Druckschrift 
15 (1851) Das schöne Mädchen von Perth
Entstehung
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

16 V

verlangend, daß die Leute, die sich vergangen, ihnen ausgelie-fert werden sollten. Ich fürchtete, ihr wilder Lärm möchteEw- Majestät Ruhe stören und Euch in Schrecken setzen."

Meine Ruhe hätte gestört werden können," sagte der Mo-narch;aber daß das Geschrei mich erschreckt hätteach! ehr-würdiger Vater, in Schottland gibt cs blos einen Platz, woder Schrei des Opfers und die Drohungen des Unterdrückersnicht gehört werden und der, Vater, ist das Grab."

Der Prior stand in ehrerbietigem Schweigen, die Gefühledes Monarchen theilend, dessen Herzenssanftmuth so schlechtmit dem Zustande und den Sitten seines Volkes übereinstimmte-Und was ward aus den Flüchtlingen?" fragte Robert,nachdem er eine Minute geschwiegen.

Sic wurden, Sire," sagte der Prior,vor Tagesanbruch,wie sie wünschten, entlassen; wir schickten vorher hinaus, umgewiß zu sein, daß kein Hinterhalt ihrer Feinde in der Nähesei, und darauf zogen sie ihres Weges in Frieden-

Ihr wißt nicht," forschte der König,wer die Männer wa-ren, oder warum sie Zuflucht bei Euch suchten?"

Der Grund," sagte der Prior,war ein Streit mit denBürgern der Stadt; aber wie er entstand, ist uns nicht be-kannt. Der Brauch unsers Hauses ist, vierundzwanzig Stun-den hinter einander Zuflucht im Heiligthum St. Dominikuszu gewähren, ohne daß währenddem an die Unglücklichen eineFrage gerichtet würde, wer dort Schutz suche. Wenn sie län-gere Zeit zu bleiben wünschen, muß der Grund ihrer Fluchtzur Freistätte ins Klosterbuch eingetragen werden; und, Preissei unserm Heiligen, viele Personen entkamen der Schweredes Gesetzes durch diesen zeitweiligen Schuß, die wir, wennwir den Charakter ihrer Verbrechen wußten, wohl selbst ihrenVerfolgern pflichtgemäß hätten ausliefern müssen."