Druckschrift 
14 (1851) Ivanhoe
Entstehung
Seite
111
Einzelbild herunterladen
 

noch immer die Last des Unglücks ausbürden willst, welchesich so gerne von Dir abgewendet hätte."

«Herr Ritter," versetzte Rebecca,ich möchte gern jedenVorwurf vermeiden; aber was ist gewisser, als daß ich mei-nen Tod Eurer ungezügelten Leidenschaft zuschreiben muß?"

Du irrst," sagte der Templer schnell,denn Du rechnestmir etwas zu, was ich weder vorherzusehcn, noch auf irgendeine Weise zu verhindern vermochte. Konnte ich die uner-wartete Ankunft des Mannes vermuthey, den ein Auflodernwilder Tapferkeit und das Lob einer thörichten Selbstpeini-gnng über sein eigenes Verdienst, über das Urtheil der Menge,über mich und über hundert unsers Ordens erhoben haben,welche als Männer denken und empfinden, die sich von sol-chen phantastischen Vorurtheilcn frei wissen, die den Grundseiner Meinungen und Handlungen ausmachen?"

Und doch," sagte Rebecca,saßet Ihr unter den Richternüber mich, die Unschuldige, wie Ihr wohl wußtet- Ihr nahmtTheil an meiner Verurtheilung, und wenn ich recht verstan-den habe, wollt Ihr selbst bewaffnet erscheinen, meine Schuldzu beweisen und meine Strafe zu sichern."

Geduld, Mädchen," sagte der Templer;kein Volksstammweiß besser als der Dcinige, wie man sich in die Zeit fügenund sein Schiff so steuern muß, daß man auch den ungünsti-gen Wind benutzen kann."

Beklagenswerth ist die Stunde," sagte Rebecca,welchedem Hause Israels diese Kunst gelehrt hat, doch Unglück beugtdas Herz, wie das Feuer Stahl biegsam macht, und diejeni-gen, welche sich nicht mehr selbst regieren können und aufhö-ren Bürger eines eigenen freien Staates zu sein, müssen sichfreilich vor Fremden beugen; aber Ihr, die Ihr Euch EurerFreiheit als eines angebornen Rechtes rühmt, um wie viel