83
kann ich Dich nicht Deinem Schicksal überlassen, wie dieserruhige Heuchler mir anempfiehlt? — Eine Anstrengung sollgeschehen, um Dich zu retten — aber hüte Dich vor Undank-barkeit! denn wenn Du mich wieder zurückweisest, so sollmeine Rache meiner Liebe gleich kommen. Das Leben unddie Ehre BoiS-Guildert's darf nicht aus'S Spiel gesetzt wer-den, wo Verachtung und Vorwürfe seine einzige Belohnungfind."
Kaum hatte der Präceptor die nöthigen Befehle ertheilt,als Conrad Mont Fichet zu ihm kam, und ihn mit dem Ent-schluß des Großmeisters bekannt machte, die Jüdin sogleichwegen Zauberei zu vexhören. Malvoisin erbot fich zwei Zeu-gen zu stellen, an denen die Jüdin ihre Zauberei ausgeübt habe.
Eben hatte die gewichtige Schloßglocke die Mittagsstundeangekündigt, als Rebecca auf der geheimen Treppe Fußtrittehörte, die zu ihrem Zimmer führte. Das Geräusch verkün-dete die Ankunft mehrerer Personen, und dies verursachte ihrFreude, denn fie fürchtete mehr die einsamen Besuche des wil-den und leidenschaftlichen Bois Guilbert, als irgend ein Uebel,welches ihr sonst begegnen konnte. Die Thür des Zimmerswurde aufgeschlossen, und Conrad und der Präceptor tratenvon vier schwarz gekleideten Trabanten begleitet herein.
„Tochter eines verfluchten Geschlechts!" sagte der Prä-ceptor, „stehe auf und folge uns."
„Wohin," sagte Rebecca, „und zu welchem Zweck?"
„Mädchen," antwortete Conrad, „es ist nicht an Dir zufragen, sondern nur zu gehorchen. Dennoch magst Du er-fahren, daß Du vor das Gericht des Großmeisters unsresheiligen Ordens sollst geführt werden, um Dich wegen Dei-ner Vergehungen zu verantworten."
„Der Gott Abrahams sei gepriesen!" sagte Rebecca, indem
6 *