Nun wendete er sich zu Jsaac und sagte laut: „DeineTochter ist also in Gefangenschaft bei Brian de Bois-Guilbcrt?"
„Ja, ehrwürdiger, tapferer Herr," stammelte der armeJsaac, „und welches Lösegeld auch immer von einem armenManne gefordert werden mag" —
„Schweig!" sagte der Großmeister. „Diese Deine Tochterübt die Heilkunst aus, nicht wahr?"
„Ja, gnädiger Herr," antwortete der Jude mit mehr Zu-versicht; „und Ritter und Landmann, Knappe und Vasall wer-den das Geschenk segnen, welches ihr der Himmel mit dieserKunst gemacht hat. O, wie Mancher muß es bezeugen, daßer nur durch ihre Kunst wieder hergestellt worden ist, nachdemalle andere menschliche Hülfe vergebens gewesen. Der Segendes Gottes Jakobs ruht sichtbar auf ihr "
Beaumanoir wandte sich mit grimmigem Lächeln an MontFichet. „Siehst Du, Bruder," sagte er, „die Lockungen desAlles verschlingenden Feindes? Siehst Du die Netze, womiter die Seelen umgarnt, indem er ihnen einen kurzen Zeitraumirdischen Lebens für ihre Seligkeit anbietet? Sehr richtig sagtunsere geheiligte Ordensregel: Semper pereutistur leo voraus— Auf den Löwen! Nieder mit dem Zerstörer!" rief er, undschwang dabei seinen geheimnißvollen Stab, gleichsam als wolleer sich damit gegen die Macht der Finstcrniß schützen. Dannfuhr er zum Juden gewendet fort: „Gewiß bewirkt DeineTochter ihre Kuren durch Worte und Siegel und allerleieabbalistische Geheimnisse?"
„Nein, verehrter und tapferer Ritter," entgegnete Jsaac,„sondern durch einen Balsam von bewundernswürdiger Kraft."
„Woher hat sie das Gehcimniß?" fragte Beaumanoir.
„Von Miriam," entgegnete der Jude widerstrebend, „einerweisen Matrone unseres Stammes."