122
ich schwöre Dir, zurückzukehren, oder einen unserer Väter zusenden, der es mehr verdient, Deine Beichte zu hören."
„O, verweile nur noch ein wenig," sagte Urfrikd, „dieStimme, die Du jetzt vernimmst, wird wohl bald unter derkalten Erde verstummen, und ich möchte doch nicht gern hin-absteigen, wie ich auf ihr gelebt habe. Aber Wein, Weinmuß mir Kraft geben, das Schauderhafte meiner Erzählungzu vollenden." — Mit hastiger Gier trank sie nun den Be-cher aus, und schien keinen Tropfen davon verlieren zu wol-len. „Du schauderst," sagte sie aufblickend, „aber ich kannDir nicht helfen! Trink mit mir, Vater, wenn Du meineErzählung anhören willst, ohne zu Boden zu sinken. — Gernwäre Cedric diesem Ansinnen ausgewichen, allein die Altedrang mit allen Zeichen der Ungeduld und Verzweiflung inihn. und so that er ihr Bescheid, indem er einen vollen Be-cher leerte; hierauf fuhr sie, wie befriedigt, in ihrer Erzäh-lung also fort:
„Ich bin nicht als die Elende, Verworfene geboren, wieDu mich jetzt siehst, Vater. Ich war frei, glücklich, geehrt,ich liebte und wurde geliebt. Jetzt bin ich eine elende, ver-achtete Sclavin — als ich noch schön war, war ich dasSpielwerk der Leidenschaften meines Herrn; ich wurde aberder Gegenstand seiner Verachtung, seines Schimpfes und sei-nes Haffes, als ich es nicht mehr war. Darfst Du Dich nochwundern, daß ich die Menschen hasse, vor allen aber die Ab-scheulichen, welche mich so weit gebracht haben? Kann auchdie verkrüppelte, jammervolle Alte, die Du hier vor Dirsiehst, und deren Flüche wirkungslos verhallen müssen, ver-gessen, daß sie einst die Tochter des edlen Than von Tor-quilstone war, vor dessen Zorn tausend Vasallen zitterten?"
„Du die Tochter von Torquil Wolfganger?" sagte Cedric,