Druckschrift 
13 (1851) Der Talisman
Entstehung
Seite
209
Einzelbild herunterladen
 

209

Während diese Gedanken durch sein Inneres fuhren, halfer dem Marquis die Waffen anlegen, aber es war unterStillschweigen.

Die bestimmte Stunde kam, die Trompeten tönten, und dieRitter erschienen in den Schranken in vollständiger Rüstung undgleich Männern beritten, die für die Ehre eines Königreichskämpfen sollten. Sie trugen ihre Viffre offen, und indem siedreimal rings an den Schranken hinrittcn, zeigten sie sich denZuschauern. Beide waren stattliche Männer, und beide hatteneine edle Gesichtsbildung. Aber auf der Stirne des Schottenwar eine männliche Zuversicht sichtbar, eine freudige Hoffnung,die selbst bis zur Lustigkeit ging, während auf der Stirne Con-rads, obwohl derselbe aus Stolz und mit Anstrengung seinennatürlichen Muth zum Theil zurückgeruscn hatte, immer nochdie Wolke der Hoffnungslosigkeit trübe schwebte. Selbst seinRoß schien weniger leicht und lustig bei dem Trompetenschallaufzutreten als der edle Araber, den Sir Kenneth ritt, und derSpruchsprechcr schüttelte den Kopf, als er die Bemerkung machte,daß, während der Kläger nach dem Lauf der Sonne, d. h. vonder Rechten zur Linken, die Schranken umritt, der Beklagte dienämliche Bahn verkehrt, d. h. von der Linken zur Rechten, mache,was in den meisten Ländern für eine Vorbedeutung gehalten wird.

Gerade unter dem Balkon der Königin war ein Altar er-richtet worden, und neben demselben stund der Einsiedler in demOrdenskleid der Carmeliter. Noch andere Geistliche waren zu-gegen- Der Kläger und der Beklagte wurden nacheinander vonihren Zeugen zu diesem Altar geführt- Jeder der beiden Ritter,nachdem er vom Pferde gestiegen, erhärtete hier durch einenfeierlichen Eid auf's Evangelium die Gerechtigkeit seiner Sache,und jeder flehte im Gebet, daß die Entscheidung der Wahrheitoder Falschheit dieses Schwures gemäß ausfallcn möge. SieDer Talisman- II. 14