„Ihr habt mich einen Lügner genannt, mein Herr König,"versetzte der Schotte fest; „und hierin wenigstens habt Ihrmir Unrecht gethan — Wisset, daß kein Blut bei der Verthei-digung der Standarte vergossen wurde als das eines armenHundes, der getreuer als sein Herr den Posten vertheidigte,den jener verlassen hatte."
„Nun, bei St-Georg!" sagte Richard, den Arm vonMeuemerbebend. — Aber de Vaur drängte sich zwischen den Königund das Ziel seiner Rache, und sagte mit der derben Offen-herzigkeit seines Charakters: „Mein Fürst, das darf nicht hiergeschehen, nicht durch Eure Hand. Es ist Thorheit genug füreine Nacht und einen Tag, Euer Banner einem Schotten an-vertraut zu haben — sagte ich's nicht, daß sie glcißnerisch undfalsch sind?" ')
„Du sagtest es, de Vaur; du hattest Recht — ich bekennees," sagte Richard. „Ich hätte ihn besser kennen sollen — ichhätte daran denken sollen, wie mich der Fuchs Wilhelm inRücksicht dieses Kreuzzugs betrogen hat."
„Herr," sagte Sir Kenneth, „Wilhelm von Schottland hatnie betrogen; Umstände haben ihn verhindert, seine Streit-kräfte zu senden."
„Still, Schamloser!" sagte der König; „du besudelst denNamen eines Fürsten, wenn du ihn auf die Lippen bringst. —Und doch, de Vaur, ist es seltsam," fügte er hinzu, „das Be-tragen dieses Mannes zu sehen. Eine Memme oder ein Ver-
In solchen Ausdrücken pflegten die Engländer von ihren nrincn, nördlichenNachbarn zu sprechen, vergessend, daß es ihre Eingriffe in die Unabhängigkeit vonSchottland waren, welche die schwächereNativn nöthigten, sich dnrch Feinheit,wie durch Gewalt zu verteidigen. Der Vorwurf muß unter Eduard I. undEduard III. vertheilt werden, die einem freien Lande ihre Herrschaft aufzwangen,und die Schotten, die genöthigt wurden, erzwungene Eide zu leisten, ohne dengeringsten Vorsah, dieselben zu halten.