Zwölftes Kapitel.
Da« W-ib ist'«, da« die Wett verführt.
Gay.
In den Ritterzeiten war ein gefährlicher Posten oder eingefährliches Abenteuer oft der Lohn kriegerischer Tapferkeit,so wie ein Ersatz für die ersten Proben; gerade so wie beimErsteigen einer steilen Höhe das Erklettern eines Felsens denSteiger zu noch gefährlicheren Stellen lockt.
Es war Mitternacht, und der Mond stand hoch und hellam Himmel, als der Schotte Kenneth auf seinem Posten wachteauf dem St. Georgsberge neben dem Banner von England,um als einzelne Schildwache das Sinnbild der Nation gegendie Beleidigungen zu schützen, welche von tausend FeindenRichards, die der Stolz desselben gekränkt hatte, ausgeübtwerden konnten. Hohe Gedanken flogen hinter einander durchdie Seele des Kriegers. Es schien ihm, als wen» er einigeGnade gesunden hätte vor den Augen des ritterlichen Königs,der ihn bis jetzt nicht ausgezeichnet hatte unter der Schaarvon Tapferen, die sein Ruhm unter dem Banner versammelthatte, und Sir Kenneth kümmerte sich wenig darum, daß derBeweis der königlichen Gunst in einem so gefährlichen Postenbestünde- Die Innigkeit seiner hochstrebenden Liebe entflammteseinen ritterlichen Muth- Hoffnungslos wie seine Neigung