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13 (1851) Der Talisman
Entstehung
Seite
182
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dennoch floß die Schandthat, Richard gefangen genommen zuhaben, als derselbe allein und verkleidet durch des Herzogs Staa-tenzurückkehrte,nicht ausLeopolds natürlicherGemüthsverfaffung.Er war eher ein schwacher und eitler, als ein ehrgeiziger undtyrannischer Fürst. Sein geistiges Vermögen glich den Eigen-schaften seines Aeußeren. Er war groß, stark und schön; seinGesicht war roth und weiß, und sein blondes Haar wallte inlangen Locken. Aber in seiner Haltung gab sich eine Unbchülf-lichkeit kund, welche glauben ließ, daß es seiner Gestalt an derinneren Kraft gebreche, einen solchen Körper zu bewegen; undeben so schien es immer, daß die reiche Kleidung, die er trug,ihm nicht stünde. Als Fürst schien er zu wenig vertraut mitseiner eigenen Würde, und während er dieselbe oft nicht zubehaupten wußte da, wo es nöthig gewesen wäre, suchte er fiehäufig durch Gewalt in Wort und That zur Unzeit geltend zumachen, was er Alles durch etwas mehr Geistesgegenwart vonAnfang an hätte vermeiden können.

Diese Mängel waren nicht nur den Anderen sichtbar, son-dern der Erzherzog selbst konnte sich zuweilen des quälendenBewußtseins nicht entschlagen, daß er nicht ganz geeignet sei,den hohen Rang, den er bekleide, auszufüllen und zu behaup-ten, und dazu gesellte sich der starke und manchmal gerechteArgwohn, daß Andere ihn leicht eben so beurtheilten.

Im Anfang, als er sich dem Kreuzzuge anschloß mit einemgroßen, fürstlichen Gefolge, hatte Leopold das Vertrauen und dieFreundschaft Richards gesucht, und zu diesem Behuf so viel Zu-vorkommenheit gezeigt, daß der König von England aus Politiksie hätte erwidern sollen. Aber der Erzherzog, obwohl esihm an Tapferkeit nicht gebrach, stund Löwenherz so weit nachan Heldenmuth, der die Gefahr wie eine Braut liebte, daß ihnder König gar bald mit einiger Verachtung betrachtete. Ebenso