Ivo
endlich sein furchtbarer Richter die Vollstreckung des wohlver-dienten Urtheils ansetzt-"
Als der Einsiedler diese Worte gesprochen hatte, legte er denSchleier weg, mit dem seine Augen verbunden waren, und be-trachtete ihn mit einem unterdrückten, dumpfen Seufzer. Kaumhatte er denselben in den Schrank zurückgelegt, woraus ihn derSchotteaufsein Geheiß genommen hatte,als crfichhastig und drin-gend zu seinem Begleiter wandte: «fort —fort - zur Ruh — zurRuh! Ihr mögt schlafen — ich mag und kann es nicht."
Die heftige Unruhe, mit der diese Worte gesprochen wurden,nicht mißkennend, zog sich der Ritter nach der inneren Zelle zu-rück; aber als er in dem Augenblick, wo er die äußere Höhle ver-ließ, seine Blicke zurückwandte, sah er den Einsiedler mit wahn-sinnigem Eifer die Schultern von ihrer zottigen Bekleidungentblößen, und ehe er die schwache Thüre, welche die zweiAbtheilungen der Grotte trennte, schließen konnte, hörte er dasKlatschen der Geißel und das Stöhnen des Büßers, der an sichselber diese Strafe vollzog. Kalter Schauder übcrlicf de» Rit-ter, als er an die Schwere der Sünde, an die furchtbare Ge-wissensqual dachte, die eine so strenge Buße weder erleichternnoch lindern könne. Er betete seinen Rosenkranz mit Andacht,und warf sich auf sein hartes Lager, nachdem er dem immernoch schlafenden Muselmann einen Blick zugeworfen, und vonden mancherlei Auftritten des Tages und der Nacht ermüdet,schlief er bald fest und ruhig ein. Beim Erwachen am Mor-gen hatte er mit dem Einsiedler eine Unterredung über wich-tige Angelegenheiten, was ihn vcranlaßte, noch zwei Tagelänger in der Höhle zu bleiben. Regelmäßig, wie es einemPilger anständig war, verrichtete er seine Andachten; aberder Zutritt in die Kapelle, wo er so große Wunder gesehenhatte, wurde ihm nicht mehr vergönnt.