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13 (1851) Der Talisman
Entstehung
Seite
92
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es eine wäre, die Schleife ihres Schuhes zu küssen. Ein Bei-spiel war da, die bekannte Geschichte derungarischen Königs-tochter," die so großmüthig denKnappen von geringer Ge-burt" aufmunterte, und Edith, obgleich von königlichem Blute,war keine Königstochter, so wenig als ihr Liebhaber von gerin-ger Geburt war das Glück hatte ihrer Neigung keine so un-übersteigliche Schranke in den Weg gelegt. Ein gewisses Etwasjedoch, das im Busen des Mädchens sich regt, und der Liebe sel-ber Fesseln anlegt, jener sittsame Stolz verbot ihr, ungeachtetihres hohen Standes, die ersten Schritte zu thun, die in jedemFall das Zartgefühl dem männlichen Geschlechte zuerkennt. VorAllem Sir Kennet- war ein so wackrer, würdiger, trefflicherRitter, wie ihre Einbildungskraft wenigstens ihn sich malte; erverstand so vollkommen, was er ihr und sich selber schuldig sei, wie zwangvoll daher auch ihre Lage sein mochte, indem sieHuldigung empfing, wie das Bild einer Gottheit, von dem dieAnbeter weder Gefühl noch eine Erwiederung voraussetzen;so fürchtete sich das Idol doch immer, zu frühe von seinemGestelle herabzusteigen, und sich dadurch in den Augen seinesergebenen Anbeters herabzusetzen.

Jedoch der andächtige Verehrer eines wirklichen Ideals ver-mag Zeichen von Billigung in den kalte» und regungslosen Zü-gen eines Marmorbildes zu entdecken, und es ist kein Wunder,daß Etwas, das für Gunst angesehen werden konnte, aus demHellen Auge der lieblichen Edith glänzte, deren Schönheit wirk-lich mehr in der ächten Gewalt deß Ausdrucks bestand, als ineiner vollkommenen Regelmäßigkeit der Formen oder im Glanzeder Gesichtsfarbe. Gewisse kleine Zeichen von Gunst waren ihrentschlüpft trotz ihrer wachsamen Behutsamkeit; wie hätte sonstSir Kenneth so leicht und so sicher die liebliche Hand erkannt,von welcher kaum zwei Finger vor dem Schleier sichtbar wur-