62
Er hielt es indessen für unnöthig, die nämliche Heraus-forderung an zwei Feinde zu richten, die er gewiß an eineneinzigen würde gerichtet haben. Seine Hand hatte die Streit-axt gefaßt, und vielleicht hätte der arglose Saracen, ohneAnhörung eines Grundes, für seine persische Poesie auf derStelle mit zerschmettertem Gehirn gebüßt; doch der schottischeRitter wurde bewahrt vor einer Thal, die ein schwarzerFleck auf seinem Wappenschild gewesen sein würde. Die Er-scheinung, auf die seine Augen eine Zeitlang gerichtet gewe-sen waren, schien zuerst hinter Felsen und Büschen verstecktdem Pfad der Wanderer folgen zu wollen, indem sie dieVortheile des Bodens mit großer Geschicklichkeit benutzte, unddie Unregelmäßigkeiten desselben mit erstaunlicher Leichtigkeitüberstieg. Endlich aber, gerade als der Saracen zu fingenaufhörte, sprang die Gestalt, welche die eines in Ziegenfellengekleideten Mannes war, in die Mitte des Pfads und faßtemit der einen und der anderen Hand einen Zügel vom Zaumdes Saracenen, sich dermaßen entgegenstemmend und das edleRoß nach hinten stoßend, daß dasselbe, unfähig, die Art zuertragen, mit welcher der unvermuthete Angreifer das lang-stängige Gebiß und die starke Kinnkette preßte, die nach mor-genländischer Art aus einem dicken Eisenringe bestand, sichaufrecht richtete, und endlich rückwärts auf seinen Herrn fiel,der jedoch der Gefahr des Falles entging, indem er sich schnellauf die Seite drehte.
Der Angreifer ließ nun den Zaum des Rosses und packtedie Kehle des Reiters; er warf sich über den sich sträubendenSaracenen, und hielt denselben ungeachtet seiner Jugend undGewandtheit unter sich am Boden, indem er seine langen Armeum die seines Gefangenen schlang, der zornig und doch dabei-alb lachend ausrief: „Hamako — Rasender —laß mich los.—