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Unthaten nicht gebebt haben, leiden mehr dnrch das Bewußt-sein, daß kein Mensch Mitgefühl für ihre Schmerzen hat,als durch die Vorstellung dieser Schmerzen bei ihrer bevor-stehenden Bestrafung. Darum sieht man sie oft bemüht, ihreGränclthaten zu entschuldigen oder wider den klarsten Beweisin Abrede zu stellen, nicht um der Verurtheilnng, sondernum dem Fluche der Menschheit zu entgehen. Sehr natürlichwar es, daß Nigel, während er den allgemeinen, obwohl un-verdienten Verdacht auf sich lasten sah, etwas Wohlthucndesin dem Gedanken fand, daß ein Wesen ihn nicht nur fürschuldlos hielt, sondern sich selbst, schwach wie es war, inGefahr begeben hatte, um sich für ihn zu verwenden.
„Armes Mädchen!" sprach er für sich; „armes, unbedacht-sames , aber edelmüthiges Mädchen! Du gleichst in deinemSchicksale jener Jungfrau in der schottischen Geschichte, dieihren Arm in die Krampe der Thür schob, um ihn als Riegelden Mördern entgegenznsehen, die ihren königlichen Gast be-drohten. Die Aufopferung mar fruchtlos, ausgenommen, daßsie einen unsterblichen Namen dem Opfer gab, dessen Blut,wie man sagt, in den Adern meiner Familie fließt."
Nicht unwahrscheinlich ist cs, daß die lebhafte Wirkung,welche diese etwas übertriebene Vergleichung zu Gunsten vonMargarethe Ramsay hervorznbringen begann, eine Gegenwir-kung fand in dem Gedanken von hoher, alter Abkunft, welchesich mit dieser geschichtlichen Erinnerung verknüpften. Diesewiderstreitenden Regungen führten auf eine neue Gedankenreihe.„Was sind für mich Ahnen und alte Abkunft?" dachte derGefangene. „Mein Erbgut ist veräußert, mein Titel ist eineSchmach, — denn was ist schmählicher, als betitelte Bettel-haftigkeit? Mein Ruf ist durch Verdacht befleckt. — Ich willin diesem Lande nicht bleiben, und kann ich es verlassen in