hätte seit Kurzem meine Gefühle zu sehr die Oberhand inmir gewinnen lassen. Ich habe sehr unrecht gethan; Ihr wer-det mir zürnen, ebenso mein Pathe, aber ich kann es nichtändern. Er muß gerettet werden."
„Er?" wiederholte die Dame mit Nachdruck. „DiesWörtleiu offenbart freilich so ziemlich dein Geheimnis-. Aberkomm hinter dem Stuhle hervor, dn Gänschen! Ich wette,du hast den muntern Lehrburschen zu nahe an dein Herz wach-sen lassen. Ich habe seit langer Zeit nicht gehört, daß du denjungen Vincent erwähnt hättest, vermnthlich aber war er nuraus dem Munde, nickt aus dem Sinne. Bist du so thörichtgewesen, ihn ernstlich mit dir sprechen zn lassen? Ich höre,es ist ein kecker Bursche."
„Nicht keck genug, um irgend Etwas zn sagen, was mirmißfallen könnte," erwiderte Margarethe.
„Also hat er dir vielleicht nicht mißfallen," sprach dieDame, „oder vielleicht hat er nicht gesprochen, was nochbesser wäre. Sei offenherzig, Liebcken, dein Pathe wird baldznrückkvmmen, und daun wollen wir mit ihm zu Rathe gehen.Wenn der junge Mann fleißig ist und von anständigen Eltern,dann wird vielleicht seine Armuth kein unüberwindliches Hin-dernis; sein. Aber ihr seid Beide sehr jung, Grethchcn, undich weiß, dein Pathe wird darauf bestehen, daß der Burscheseine Lehrzeit aushält."
Margarethe hatte bisher die Dame in ihrer falschen Vor-aussetzung fortsprechen lassen, blos weil sic nicht wußte, wiesie sich ausdrücken sollte, um sie zn enttäuschen. Aber derAcrger über ihre letzten Worte ermuthigte sie endlich, zu sa-gen: „Verzeiht, gnädige Frau, weder der junge Mensch, vondem Ihr sprecht, noch irgend ein anderer Lehrbursche oderMeister in London —"