einem entfernten Theile des Zimmers an ihrer Arbeit saß, wäh-rend die Herrschaften mit einander sprachen. Nicht minderstellte es sieb heraus, daß diese Besuche nie länger als eineStunde dauerten und nur wöchentlich ein Mal stattfanden,ein Verkehr, der zu kurz und zu selten war, als daß Liebe derGrund desselben hätte sein können. Die Neugierigen bliebenalso in Ungewißheit und mußten auf die Erforschung von He-riots Gehcimniß verzichten. Dies hinderte aber nicht, daßtausend lächerliche Geschichten bei den Unwissenden und Aber-gläubischen in Umlauf kamen, wie z. B. die, welche unseremFreunde Richard Moniplies von dem boshaften Lehrburschcndes ehrsamen David Ramsay aufgeheftet morden war.
Nur eine Person in London, hieß cs, außer Georg Heriot,hätte, wenn sie gewollt, mehr von Frau Hermione sagen kön-nen, und diese Person war des besagten David Ramsay ein-ziges Kind, Margarethe.
Dies Mädchen war nicht viel über fünfzehn Jahre alt zuder Zeit, wo Frau Hermione nach England kam. Sie besuchtefleißig ihren Pathen, der viel Gefallen an ihren kindischenEinfällen fand und an der anmnthigen, kunstlosen Weise, mitwelcher sie die Volkslieder ihres Geburtslandes sang. Siewar in jeder Beziehung verhätschelt, durch die Nachsicht ihresPathen, durch die Zerstreutheit und Unaufmerksamkeit ihresVaters und durch die Fügsamkeit ihrer Umgebungen gegen dieLaunen der Schönheit und der reichen Erbin. Indessen, ob-wohl sie auf diese Weise so eigensinnig, launisch und geziertwurde, wie cs in Folge grenzenloser Nachsicht fast immer derFall ist, und obwohl sie oft sich das Ansehen übertriebenerBlödigkeit, Schweigsamkeit und Zurückhaltung gab, welchesMädchen unter zwanzig Jahren geneigt sind für liebenswür-dige Bescheidenheit zu halten, bei andern Gelegenheiten aber