Zufrieden sein, zufrieden machen! Dies sei fortan mein Wahl-spruch. Denn auch ich bin ja von Dir, o Gott der Liebe, zumGlück berufen, und in meiner Brust pocht Sehnsucht nach demGlück, Verlangen nach Freude. Ich suchte diese bisher nichtimmer auf dem einzig richtigen Wege. Mich verführte oft dasBeispiel der Menge. Ich suchte mein inniges Wohlsein in Er-reichung von Wünschen, deren Erfüllung nie ganz von mir ab-hing; bald in Zerstreuungen, bald in Erwerbung eines freund-lichen Herzens, bald im Gewinn von Geld und Gut, bald imGewinn von Ruhm und Ansehen. Ueberall, ach nur zu oft, fandich mich getäuscht.
Wohlan, ich will entbehren, mäßig sein im Genüsse dessen,was Deine wohlthätige Hand mir Gutes zustrcuct, mich begnü-gen, wenn des Lebens erste Nothwendigkeiten befriedigt find,gewaltsam meine träumerischen Wünsche unterdrücken, zufriedensein, zufrieden machen. Wenn Du dann, o Vergelter, o Vater,meine Arbeiten segnest, wenn Du mir dann auch Erdengüterzufallen lässest, an die ich nicht dachte — dankbar will ich sievon Deiner Vaterhand empfangen. Du gibst fic mir, mein Glückzu vermehren, indem Du mich in den Stand setzest, mehr Zu-friedenheit um mich her zu verbreiten, als ich es jetzt noch ver-mag. Wenn wir Nahrung und Kleider haben, so lasset uns ge-nügen, sprach Jesus Christus. Und ich habe noch etwas mehr,als nur dies. Wie sollte ich klagen? Warum unzufrieden sein? —Wenn ich bisher nicht ganz so glücklich war, als ich cs sein konnte:nicht Deine Schuld war cs, o mein unendlich gütiger Vater imHimmel, sondern die Schuld meines verkehrten Sinnes, meinerumherschweifenden Wünsche, meines Eigensinns, meines Leichtsinns,meiner Leidenschaften. Ich will besser werden, so wird's besser sein!