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sagen. Es muß ein grundboshaftcs Gemüth sein, welches rechtmit Vorsatz eine tückische Lüge verbreiten wollte. Man glaubt,indem man über das Betragen und die Unternehmungen einerPerson ein etwas scharfes oder mißbilligendes Urthcil fällt, seinerSache gewiß zu sein, und vielleicht wohl gar Gutes zu stiftenund zu warnen.
Aber wie leicht ist da der Jrrthum auf unserer Seite! Wieschnell können wir in Gefahr kommen, den Nebenmenschen zuverkennen! ES ist der frechste, absprcchendste Eigendünkel, wennman sagen kann: ich irre mich hier gewiß nicht! O wie leichtirrt man in Beurtheilung des menschlichen Herzens!
Denn wenn wir Werth und Unwerth einer uns weniger be-kannten Person ermessen wollen: welchen Maßstab nehmen wirdazu? — Zur Beurtheilung fremder Einsichten doch nur denMaßstab unserer eigenen Einsichten; zur Beurtheilung fremderDenkart doch nur den Maßstab unserer eigenen Denkart! Wo-her wollten wir einen andern Maßstab nehmen?
Nun aber ist unsere Einsicht ganz gewiß in vielen Dingenbeschränkter, als die Einsicht Anderer. Und mögen wir noch soviel vortreffliche Geistesgaben oder Kenntnisse besitzen, wir sindnicht im Besitz aller. Schon unsere Herkunft, unsere frühereErziehung, unsere spätem Erfahrungen haben uns eine gewisseEinseitigkeit gegeben. Andere stehen auf andern Standpunkten;Andere haben in manchen Dingen höhere und genauere Ansichtender Welt. Wir sind keineswegs die Allcinwiffenden, die All-weisen. Wenn Jemand ganz abweichend von der herrschendenMeinung urthcilt, wenn Jemand zu irgend einem guten Zweckeganz andere Wege cinschlägt, als die bisher gewöhnlichen, müssenwir darum nicht glauben, er sei ein Thor, ein Schwärmer, einGeck, ein Bösewicht. Er kann vielleicht die Wahrheit erfaßthaben, während wir Andern Alle mit unserer vermeinten Ein-