18 l
und über den Gräbern der Märtirer sammelten sich weinend,aber doch muthvoll- neue Christengemeinden.
Noch waren seit dem Kreuzigungstage Jesu keine dreihundertJahre verflossen, als der Oberherr der ganzen römischen Welt,als Kaiser Konstantin der Große, dessen Scepter drei Welttheileverehrten, mit seinem ganzen Hofe zum Christenthum überging.Von nun an ward die christliche Religion die herrschende Landes-rcligion. Die Tempel und Altäre der heidnischen Priester standenöde, und der Name Jesu tönte in den Palästen und Hütten.
Doch wohnten noch unzählige Nationen in unbekannten Wild-nissen, zu denen nie der Name Roms und nie der Name Jesuhinübergcschollen war. Aber eine seltsame und unerhörtc Gährungerhob sich nun unter allen Nationen. Aus rauhen, fremdenHimmelsstriche» drängten sich große Völkerschaften hervor, unterderen Wanderungen das weite römische Reich zertrümmerte. Jahr-hunderte lang dauerten diese Wanderungen, diese Kriege; undimmer neue, immer zahlreichere Schwärme von Barbaren kante»zum Vorschein und verdrängten andere Nationen aus ihren Wohn-sitzen. Alles, was einst groß und herrlich war, verging; dieWissenschaft und Kunst der Vorwelt ward vernichtet; die Reicheund Throne der Vorwelt verschwanden; — nur die Religion Jesusiegte und behielt triumphirend die Oberhand. Es schien, alsdrängten sich jene Völkerschaarcn auf einen Wink der göttlichenVorsehung herbei, um sich an dem Lichte der himmlischen Wahr-heit zu sonnen. Alle ergriffen das Kreuz, und ihre rohen Herzenwurden menschlicher, ihre wilden Sitten wurden milder.
So siegte der christliche Glaube mitten in den schicksalsvollenTagen einer allgemeinen Umgestaltung der Welt; als sich dieallgemeine Verwirrung gleichsam in eine neue Schöpfung aufge-löset hatte, beteten alle gebildeten Nationen zu einem Gott,zu dem gemeinschaftlichen Vater des Weltalls, und freuten