Druckschrift 
3 (1853)
Seite
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Die Jünger wohnten in Jerusalem schüchtern beisammen.Sic hörten von diesen wunderbaren Erscheinungen, hofften, undzweifelten. Plötzlich, da sic bei verschlossenen Thürcn sich vondem Göttlichen unterhielten, dessen Andenken ihr Gemüth er-füllte, stand er mitten unter ihnen. Sie hörten seinen wohl-bekannten Gruß: Friede sei mit euch! Sie erblickten die geliebteGestalt, welche sic noch vor wenigen Tagen erblaßt und blutendam Kreuze schwebend gesehen. Sie zitterten. Sie wähnten, einGespenst täusche ihre Augen. Aber er reichte ihnen die theure Hand,er genoß von ihren Speisen, er war wieder ihr Vater, ihr Lehrer.

Nur Einer von ihnen, Thomas, war bei dieser Erscheinungnicht gegenwärtig gewesen. Umsonst erzählten ihm mit grauen-vollem Entzücken die klebrigen das Wunder. Er glaubte ihnennicht. Er hatte seinen Heiland am Kreuze sterbend gesehen-Ungedenkbar war ihm des Tobten Wiederkehr.Es sei denn,"sprach er,daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmaale, undlege meine Hand in seine Seite, die ich vom Todesspeer durch-bohren sah, will ich es nicht glauben." So sprach er. Und achtTage darauf stand unerwartet Jesus vor ihm in der Mitte derJünger.Reiche deine Finger her," sagte der Göttliche zu ihm,und siehe meine Hände; reiche deine Hand her, und lege sic inmeine Seite." Der letzte Zweifel des Ungläubigen verschwand.Schaudernd, mit Ehrfurcht, sah er zum Messias empor, undrief zu ihm:Mein Herr und mein Gott!"

So erschien mehrmals JesuS seinen Geliebten. Aber dieehemalige zärtliche Vertraulichkeit war in hohe Ehrfurcht ver-wandelt. Nur wenige Tage sahen sie ihn, dann verschwand erauf immer gen Himmel. Sein Werk auf Erden war vollbracht.Er kehrte in die Wohnungen des ewigen Vaters zurück.

Der Sieg Jesu über die Macht des Todes ward der Siegder erhabensten Hoffnungen, welche die Jünger in ihrer Brust