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Gcgentheil verfuhrt. Es gibt nämlich Personen, und ihre Zahlist nicht gering, welche überhaupt an keine allgemein geltende,wahre, ewig sich gleichende Tugend glauben, sondern Alles,was man damit zu bezeichnen pflegt, für Sache der Umstände,und Frucht der Zeiten, Landesfitten und der fich ändernden Vor-stellungen der Völker halten. Sie behaupten und sprechen: Esist eigentlich nichts gut oder böse an sich und schlechterdings, son-dern Alles hängt von äußern Verhältnissen ab. Die Sittenlehrerz. B. machen den Ehrgeiz zur Sünde, aber an andern Ortenwird er von Königen, Priestern und Erziehern zum Verdienstungerechnet, und ermuntert. Man nennt die Liebe zur Wahr-heit eine Tugend; oft aber würde eine nnzeitige Wahrheit dasgrößte Verderben über Familien und Völker bringen, währendeine Lüge rettet und allgemeinen Dank ärntet. Wir nennen denDiebstahl ein grobc-s Verbrechen; aber cs gab Völker, bei welchener geachtet ward, wenn man ihn mit Schlauheit übte. Wirfinden eine leichte Entblößung unanständig; in manchen Ländernwürde man unsere Tracht und schon bas Erscheinen der Weiberan öffentlichen Orten schamlos heißen; wieder in andern ist einhalbnacktes Umhergehcn untadelbaft. In einigen Gegenden istder Genuß des Weines Verbrechen, bei rms allgemein erlaubt.Zn einigen Gegenden ist der Genuß des Fleisches an gewissenTagen eine große Sünde; in andern macht fich durchaus NiemandBorwürfe. Der Genuß des Schweinefleisches war nach den Ge-setzen Mosis ein Verbrechen, und ist es noch heute in den Morgen-ländern; dagegen war midist die Vielweiberei erlaubt, währendbei uns von Allem das Gcgentheil gilt. So ist es denn gewiß,daß man nicht überall auf Erden auf die gleiche Art tugendhaftoder Sünder sein kann; daß unsere Tugend immerdar von Zeitenund Landesfitten abhängig ist; daß Gott nicht auf menschlicheEinrichtungen fieht, wenn er uns richtet; daß man darum,