92
geschah aus gleichen Ursachen. Diese Menschen waren zu reizbarund hatten sich nur der Beschäftigung ihrer Gefühle überlassen.
Aber, o MenschI nicht dein Herz ist unsterblich — es wirdmit dem Leichnam im Grabe modern — sondern dein Geist alleinist es! Nicht deine Gefühle sind unsterblich — sic vergehen mitdem Herzen, aus dem sic hcrvorquellen — sondern die Macht undStärke deines Geistes allein ist es! — So sollen denn auch dieGefühle des Herzens nicht Herrscher sein über den erwägenden,prüfenden Geist, sondern nur seine Diener und Gchilfen.I
Die Religion Jesu ist nicht bloß ein Spielen mit Empfin-dungen, sondern ein Werk des Geistes für ewige Geister. Auchdie Gottheit wohnt nicht in Empfindungen, sondern in der höchstenErkcnntniß des Wahren, Vollkommenen und Gerechten. Gottist ein Geist, und die ihn verehren, sollen ihn verehren imGeist und in der Wahrheit. Die Wahrheit aber ist das Ge-schäft der Vernunft, welche uns Gott gegeben, sie zu erkennen.
ES sind nicht bloß Gefühle, es find Grundsätze, überdachteWahrheiten, welche der Jünger Jesu von dem göttlichen Meisteraufnehmcn und ins Leben übertragen soll. Und wenn ich dengroßen Entschluß fasse, von nun an ein höherer Geist zu werden,Gott ähnlich, nach Vollkommenheit ringend, soll dies nicht bloßWirkung einer frommen Gcmüthsbewegung, sondern der ernsten,ruhigen Uebcrlegung sein.
Wer in weltlichen Dingen irgend einen großen und wichtigenPlan entwerfen und ausführcn will, prüft vorher kaltblütig dieMittel, welche ihm zum Zwecke helfen können; prüft alle Um-stände, unter denen er handeln muß; prüft das Maß seinerKräfte, welche er in Thätigkeit zu setzen hat, und berechnet selbstdie möglichen Hindernisse, welche sich gegen seine Absichten ver-schwören könnten, und denkt, noch ehe sic da sind, ank die besteArt, sie zu überwinden.