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so übernimmt uns das bittere Gefühl der Ohnmacht, der Ver-zweiflung an unserer Kraft zum Guten. Dann werden wir soleicht zu glauben geneigt, die Religion fordere zuviel von uns;es sei unmöglich, Jesu Vorbild nachzuahmen; cs sei unmöglich,fehlerlos zu werden. Dies Mißtrauen, dies Verzweifeln an unsmacht uns zuletzt gleichgültiger und leichtsinniger gegen unsereHandlungen. Dann kommen Stunden, in welchen uns unsereEigenliebe nicht nur entschuldigen, sondern sogar rechtfertigenmöchte; Stunden, in denen wir unser ehemaliges Bestreben nachSeelcnvollkommenhcit für eine thörichte Schwärmerei halten, unduns bereden möchten, cs sei genug, wenn wir nur des Guten soviel leisten, als wir ohne Noth und Mühe können; wenn wirnur nicht schlechter seien, als viele Andere sind.

Diese Muthlosigkeit ist die entehrende Wirkung unserer Eigen-liebe, ist der Triumph unserer thierischcn Natur über den unsterb-lichen Geist. Wahr ist es, auch der beste Mensch kann fehlenauch ein Petrus konnte einst, umgeben von den Schrecknissender Gcrichtsnacht, seinen Heiland verläugnen, aber der bessereMensch, wenn er gefallen, richtet sich um so herrlicher wiederauf. Eben dieser Wechsel des Sicgens und Besiegtwerdens be-zeugt, daß wir im großen Kampfe begriffen sind; eben unserFallen deutet uns den Feind an, wo er am stärksten ist, wo wirihm die größte Entschlossenheit und Kraft cntgegcnzustcllen haben.Eine Tugend ohne Kampf und Opfer ist keine Tugend mehr; nurwo Ucbcrwindung ist, da ist Tugend. Und wahrlich, der sollnicht verzagen, der nichts als sich selbst zu bestreiten hat. Demernsten, gerechten Willen des Menschen über sich selbst ist Allesmöglich.

Und sinkst du auch zuweilen im Streite unter, o Christ; wer-den deine Leidenschaften auch zuweilen mächtiger, als deine Ver-nunft; erliegt auch deiner Seele Kraft einmal unter der Macht