„Nichts mehr als fromme christliche Wünsche. — Wassollte ste denn noch schreiben?" sagte Deans, in voller Erwar-tung, des LordS langwieriges Liebeswerben werde nun -umSchluß kommen. Uno so kam es wirklich, aber nicht zu demSchluß, den Deans wünschte oder erwartete-
„Nun, ste muß selbst am besten wissen, was ste zu thunhat. — Hanne Balchristie und ihre Nichte habe ich aus demHause gesagt. Es war nichtswürdiges Pack, ste stahlen mirdas Weiße aus den Augen. — Morgen früh laß ich michtrauen, und Sonntag halte ich den Kirchgang."
WaS David Deans auch in diesem Augenblick fühlenmochte, er war zu stolz und zu eisern, es in Miene und Be-tragen sichtbar werden lassen-
„Er, in dessen Hand es steht, verleihe Ihnen Glück, Herr.Die Ehe ist ein ehrenwerther Stand."
„Und ich heirathe in eine ehrenwerthe Familie, DavidsDes Lords von Habegcrn jüngste Tochter. Sie hat ihrenKirchstuhl dicht neben meinem, und da ist es mir eingefallen."
Es war hier weiter nichts zu thun, als dem Lord nocheinmal Glück zu wünschen, ein Gläschen von seinem Brannt-wein zu trinken, und wieder nach St. Leonard's zurück zuwandern, in tiefem Nachdenken über die Veränderlichkeitmenschlicher Dinge und menschlicher Gesinnungen. Die Hoff-nung, Jeanie werde noch eines Tages Lady Stummendeichsein, war lebhafter in ihm gewesen, als er cs selbst wußte.Wenigstens hatte es seiner Meinung nach bis jetzt nur beiJeanie gestanden, sie zur Wirklichkeit zu machen, und nunwar sie auf immer verschwunden. Nicht in der besten Launekehrte Deans daher nach Hause zurück. Er war ärgerlichauf Jeanie, dem Lord keine Aufmunterung gegeben zu haben,ärgerlich auf den Lord, daß er der Aufmunterung bedurfte,Kerker von Edinbnrg. III. 8