50
oder sonst einen vom königlichen Hause? Hatte sie ihrerSchwester Begnadigung erlangt? War es ein völliges Er-lassen der Strafe, oder nur eine Milderung? Wie weit warsie gefahren? Wohin? Was hatte man gesprochen? Warumwar sie so lange geblieben?
Jeanie hätte sich sehr verlegen gefühlt, wäre nicht Archi-bald dazwischen getreten. '„Frau Glas," sagte er, „SeineDurchlaucht der Herzog wünscht selbst mit Ihnen über dieseAngelegenheit zu sprechen, und Ihren Rath über Einiges zuvernehmen; er wird morgen oder in den nächsten Tagen Her-kommen, und bittet Sie, das junge Mädchen indeß nicht zubefragen, da sie doch nicht recht Auskunft zu geben weiß."
Diese überzuckerte Pille schlug den Eifer der Frau Glasein wenig nieder. «Seine Durchlaucht sind sehr gnädig;ganz nach Seiner Durchlaucht Befehl. Aber Sie haben einenweiten Weg gemacht, Herr Archibald, wie ich aus der ZeitIhrer Abwesenheit schließe, und ein Gläschen Rosa Sollsist Ihnen vielleicht nicht unangenehm," setzte sie mit freund-lichem Lächeln hinzu.
„Ich bin Ihnen sehr verbunden, Frau Glas, ich muß so-gleich zu meinem Herrn," und mit höflicher Begrüßung ver-ließ er den Laden.
Als er fort war, hatte Jeanie ein neues Verhör auszu-stehn. Gern hätte sie durch eine freie Mittheilung des fürsie so wichtigen Vorgangs sich ihrer gastfreundlichen Ver-wandten dankbar gezeigt. Doch einer Schwätzerin, wie derFrau Glas, von deren Herzen Jeanie eine bessere Meinunghegte, als von ihrem Verstände, war das Geheiüiniß einerUnterredung mit der Königin Caroline nicht anzuvertrauen.Sie antwortete daher nur im Allgemeinen, der Herzog habedie außerordentliche Güte gehabt, sich sehr für ihre Schwester