Eben jetzt habe er wieder einen solchen schlimmen Anfall, undSr. Ehrwürden könnten deshalb noch Niemand sprechen. Dochwerde er gewiß Alles, was recht und billig sei, für sie thun,sobald er nur einen Augenblick Muße für ihre Angelegenheitfände. Sie schloß mit dem Anerbieten, der Fremden einZimmer anzuweisen, wo sie indessen verweilen könnte.
Jeanie benutzte diese Gelegenheit und bat um einiges Er-forderliche, ihre Kleider zu wechseln und zu ordnen. DieHaushälterin willigte sehr gern i» dies Begehren, denn siezählte Reinlichkeit und Ordnungsliebe zu den höchsten Tu-genden; und der Kleiderwechsel, den Jeanie's Reiscbündeldarbot, gab dieser ein so verändertes Ansehen, daß FrauDalton in der säubern, ruhig blickenden kleinen Schottin, dienun vor ihr stand, kaum die Pilgerin von vorhin, mit zer-störtem Anzug und fliegendem Haar wiedererkannte. Siewagte es jetzt sogar, die Fremde zu ihrem Mittagsmahl ein-zuladen, und Jeanie's sittigcs Benehmen während desselbenerhöhte ihr Wohlwollen für sie.
„Du kannst doch in diesem Buch lesen, mein Kind? Nichtwahr?" fragte die Matrone, als die Mahlzeit beendet war,indem sie die Hand auf eine große Bibel legte.
„Wie sollt' ich nicht," versetzte Jeanie, ein wenig verwun-dert über diese Frage; „mein Vater würde viel entbehrt ha-ben, ehe er mich dies hätte entbehren lassen."
„Das ist brav von Deinem Vater. Nun, so nimm undlies mir vor, denn meine Augen sind etwas schwach, undschlage nur auf, wo Du willst, eS ist das einzige Buch, woDu auf nichts Unrechtes stoßen kannst."
Jeanie fühlte sich zuerst versucht, die Parabel vom barm-herzigen Samariter zu lesen; doch ihr Gewissen warf es ihrvor, daß sie die heilige Schrift nicht zur Erbauung allein, son-