88
Sie sah umher, ob sie Niemand entdecken könne, sie beidem Lord zu melden, den sie zu sprechen wünschte. Da Allesstill war, wagte sie eine Thür zu öffnen. Sie fand einen gro-ßen verödeten Raum, wo ehemals die Hunde des alten Lordgehaust hatten. Sie versuchte es mit einem andern; cs warder Schuppen, wo sich seine Falken befunden hatten; einigehalb vermoderte Querstangen, Fußringe und dergleichen ver-riethen die ehemalige Bestimmung.
Jeanie fuhr in dem vergeblichen Geschäft des Thürenöff-nenS fort, und fand nichts als leere oder wenig benutzte Räume.Zuletzt kam sie an einen Stall, zum Theil die Behausung ih-res alten Bekannten, des hochländischen Kleppers, den sie drau-ßen hatte grasen sehen. Dies bezeugten Sattel und Zaum,ihr gleichfalls bekannt, die halb an der Mauer hingen, halbzur Streu niederschlepptcn. Die andere Seite des Stalles,durch einen Querbalken von jener geschieden, bewohnte eineKuh, welche den Kopf umwandte und brüllte als Jeanie herein-trat. Ihre gewohnte Beschäftigung machte, daß sie diese Auf-forderung vollkommen verstand, und ihr zu willfahren, schüt-tete sie dem Thier etwas Futter auf; denn es war wie allesAndere in diesem Hause der Trägheit versäumt worden.
Während sie diese Handlung der Milde vollbrachte, schlicheine nachlässige Magd gähnend herbei, steckte den Kopf in dieThür, und da sie eine Fremde thnn sah, was sie selbst schonvor zwei Stunden hätte thun sollen, schrie sie laut: „Ach!ach! der Kobold!" und lief heulend davon, als hätte sie denTeufel gesehen
Es ging nämlich die Sage, das alte stummendcichsche Schloßsei lange von einem jener Hausgeister besucht worden, denenman früherhin die Dienstfcrtigkeit zuschrieb, versäumte Ge-schäfte der Knechte und Mägde zu vollbringen. Und solch ein