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10 (1851) Der Kerker von Edinburg
Entstehung
Seite
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bewahrte, suchte sie unter Bruchstücken geschriebener Predigten,Empfangscheinen, Reden sterbender Glaubensdulvcr und der-gleichen mehr, einige Papiere hervor, die sie bei ihrem Vor-haben benutzen zu können glaubte. Allein die größte Schwie-rigkeit blieb noch zu beseitigen, und ihr fiel dieselbe erst indiesem Augenblick ein. Es war der gänzliche Mangel anGeld, ohne welches eine so weite Reise sich nicht unternehmen ließ.

David Deans war ein wohlhadenderMann, allein sein Neich-thum bestand, gleich dem der Erzväter, in seiner Heerde. Einigekleine Geldsummen hatte er freilich in der Nachbarschaft ausge-liehen. Bon den Schuldnern war aber nichts zu erlangen, amwenigsten ohne ihres Vaters Mitwissen. Und Jeanie fühlte nurzu gut, sie dürfe nicht um ihres Vaters Erlaubniß nachsuchen,ohne sich ein strenges Verbot ihrer Pilgerschaft zuzuziehen.

Jeanie dachte auch an Frau Satteldaum; doch zur Stadtmochte sie nicht gern zurückkehren, auch sprach ihr inneres Ge-fühl dagegen, sich bei dieser Veranlassung an sie zu wenden.Mit dankbarem Herzen erkannte sie ihre Gutmüthigkeit undliebevolle Theilnahme; aber sie fühlte zugleich, daß sie eineFrau von ganz gewöhnlicher und weltlicher Denkungsart sei,unfähig ein Unternehmen, wie das ihrige, aus einem kühnschwärmerischen Gesichtspunkte anzusehen. Und cs gegen sieVeriheivigen, oder von ihrer Uebcrzeugung die Mittel zurAusführung erwarten zu müssen, wäre Galle und Wermuthfür sie gewesen.

Butler, dessen Beistandes sie sich hätte versichert haltenkönnen, war noch viel ärmer als sie. Unter diesen Umständenfaßte sie einen seltsamen Entschluß zur Ueberwindung dieserSchwierigkeit, dessen Ausführung den Gegenstand des nächstenKapitels bilden wird.