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10 (1851) Der Kerker von Edinburg
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Dieses schauerliche Geschäft fällt dort dem Inhaber eines nochgrauseren Amtes, dem Nachrichter zu. Als dieser erschien, einelange hagere Gestalt, in einer seltsamen Kleidung von schwarzund grau mit Silbertrcssen, schauderten alle unwillkürlich zurückund wichen vor ihm, wie er durch die Menge zu dem Sitzungs-lisch schritt. Auch die leiseste Berührung seines Kleides hieltman für eine Verunreinigung, und suchte sie sorgfältig zu ver-meiden. Dumpf tönte es durch den weiten Saal von dem ban-gen, zurückgeprcßten Ausathmen dieser großen Menschenmenge,die dem, was das kommen sollte, angstvollentgegenharrte. WieVögel von böser Vorbedeutung das Tageslicht fliehen, so schienauch dieser Gegenstand des allgemeinen Abscheus, als sei er sichdessen bewußt, nur mit Widerwillen hier zu verweilen. Rauhund finster sprach er das Urtheil, Wort fürWort, wie der Schrei-ber des Gerichts es ihm leise vorsagte. Euphemia Deans, lau-tete es, sei verurtheilt ins Gefängniß zurückqebracht zu werden,und daselbst bis nächste Mittwoch über sechs Wochen in Haft zubleiben, an welchem Tage sie Nachmittags zwischen zwei und vierUhr auf dem Richtplatz ihr Leben verlieren solle-Und," setzteer mit verstärktem Tone hinzu,dies von Rechtswegen!"

Er verschwand nach diesem bedeutungsvollen Wort, wieein böser Geist, wenn die Absicht seines Kommens erfüllt ist;doch sein Erscheinen und seine Botschaft hatten einen furcht-baren Eindruck zurückgelaffen.

Die unglückliche Verurtheilte, obgleich leidenschaftlicher undreizbarer als ihr Vater und ihre Schwester, zeigte doch indiesem Augenblick keinen geringen Mut-. Bewegungslos, mitgeschloffenen Augen hatte sie vor den Schranken gestanden, solange jener Furchtbare ihr gegenüber das Verdammungsur-theil aussprach. Allein sie war die erste, die das Schweigenbrach, als die ängstigende Erscheinung sich zurückgezogen hatte.

Kerker von Edtnburg. II- 6