Druckschrift 
10 (1851) Der Kerker von Edinburg
Entstehung
Seite
72
Einzelbild herunterladen
 

schuldigt, worauf diese sie sehr schlecht behandelt und sie so inFurcht gesetzt, daß sie in ihrer Abwesenheit, so krank sie auch gewe-sen, sich fortgeschlichen und nach St. Leonard's gegangen- Ihremeigenen Geständniß nach hatte sie sich über ihren Zustand wederfrüher noch später ausgesprochen. Der vorgelegte Brief Robert-son's war aus der Zeit, in welcher er und Wilson den Plan zuihrer beiderseitigen Flucht entworfen hatten. Einige Worte indemselben deuteten auf eine Hoffnung dieser Art hin. Dochnur dem Kundigen verständlich, konnten sie die Spur desnicht genannten Briefstellers auf keine Weise verrathen.

Mehrere Zeugen für und wider die Gefangene wurden nunabgehört, über ihren früheren Ruf, so wie über ihr späteresBetragen befragt. Unter jenen trat Frau Sattelbaum auf.Mil Wärme und Innigkeit sprach sie zu Esfie's Lobe, und HelleThräncn flössen über ihre Wangen; ihre eigene Tochter hätteihr nicht lieber sein können, sagte sie- Die Gutmüthigkeit derwassern Frau erwarb ihr allgemeines Wohlwollen. Nur Sat-telbaum's Beifall wurde ihr nicht zu Thcil.Dieser Ihr Ni-klas Novit versteht sich nicht darauf, Zeugen zu wählen,"flüsterte er Stummendeich zu.Mußte er da ein Weib her-bringen, die schnattert und schluchzt, und den Herren Richternwas vorgreint? Mich hätte er citiren sollen. Zch wollte einZeugniß abgelegt haben, daß sie ihr kein Haar auf ihremHaupte hätten krümmen dürfen."

Gebt es nicht noch?" fragte der Lord.Ich will Noviteinen Wink geben "

Sattelbaum erklärte ihm jedoch, daß dieß jetzt von keinemNutzen sein würde, er hätte sseliito tempore vorgeladen werdenmüssen. Dabei wischte er sich mit seinem seidenen Taschentuchewichtig den Mund, und nahm wieder die Miene und Stellungeines aufmerksamen, wohl unterrichteten Zuhörers an.