SchmerzenSmiene, daß ein gemeinsamer Laut derTheilnahme unddes Bedauerns erscholl. Dieser Ausdruck menschlichen Mitgefühlsschien die Arme aus der ersten starren Betäubung der Furcht zureißen, und sie zu dem nicht minder peinlichen Bewußtsein ihrerSchmach zu wecken. Ihr Auge, eben noch wild umher rollend,senkte sich zu Boden. Ucbcr ihre todtenbleiche Wange zog sich einErröthcn, anfangs nur leicht, dann dunklerund dunkler werdend,und Stirn, Schläfe und Hals mit dem tiefsten Purpur bedeckend;auch dann noch sichtbar, als sie in banger Scham das Gesicht mitden kleinen Händen bedeckte.
Alle bemerkten diesen Empfindungswechsel und wurden davonergriffen, nur Einer nicht. Es war der alte Deans. Bewegungs-los saß er da, von dem Pfeiler verborgen, Keinen sehend und Keinemsichtbar, und dennoch die Augen fest aufden Boden geheftet, alswolle er jeder Möglichkeit ausweichen, den demüthigenden Vor-gang, seines Hauses Schmach, zu erblicken. „Jcabod!" sprach erbei sich selbst, „Jcabod! meine Herrlichkeit ist dahin!"
Während diese Gedanken in ihm vorgingen, wurde der Ge-fangenen die Anklage vorgelesen, und man fragte sie, ob sieschuldig oder nichtschuldig sei.
„Nicht schuldig am Tode meines armen Kindes," erwiedertesie in einem Klageton, dessen Anmuth der Lieblichkeit ihrerZüge entsprach, und gleich diesen ihr die Herzen gewann.
Das Gericht forderte jetzt die Sachwalter auf, ihre Gründeund Gegengründe vorzulegen. Der Anwalt der Krone erläutertezuerst das Gesetz, und weshalb cs gegeben worden. Die Ange-klagte, sagte er, befinde sich, nach der Aussage mehrerer Zeugenund ihrem eigenen Geständniß, in dem darin vorgeschriebenenFalle. Sie habe ihren Zustand verheimlicht, welches, dem Sinndes strengen aber nothwendigen Gesetzes zufolge, die Absicht vor-aussetzen ließe, dasNeugcbornezutödten. Wenn sie demnach nicht