mannigfache und schwankende Meinungen und Ansichten entstan-den. David Deans hatte ebenfalls, wie die meisten, durch diesoder jenes öffentliche Ereigniß bewogen, oft genug seinen Ge-sichtspunkt verändert, auf so festem Grund er auch zu stehenglaubte. Vor einemGerichtshof als Zeuge aufzutreten, erschienihm jedoch, wie allen Strenggläubigen, immer noch als etwashöchst Verwerfliches. Allein die Stimme der Natur sprach lautin seiner Brust gegen die Eingebungen des blinden Eifers; undmit künstlichem Selbstbetrug erdachte er ein Mittel, sich zwischendiesen ängstigenden Zweifeln hindurch zu winden. „Ich bin im-mer fest und beharrlich in meinen Grundsätzen gewesen," spracher zu sich selbst; „aber wer kann von mir sagen, daß ich meinenNächsten zu streng'gerichtet, weil er etwas für erlaubt hielt aufseinem Wege, was ich mir nicht erlaubte? Meiner Tochter Jeaniekann hierüber ein Licht aufgegangen sein, das meinen alten Au-gen verborgen ist. — Es ist ihr auf's Gewissen gelegt, und nichtmir- — Wenn sie glaubt, es sei ihr gestattet vor diesen Richternzu erscheinen, und ihre Hand empor zu halten für die arme Ver-lorne, so will ich auch nicht sagen, sie wandle auf UnrechtemWege; und wenn nicht" — Er hielt inne; eine unaussprech-liche Angst ergriff ihn bei dieser Voraussetzung. Allein er be-zwang sein Gefühl — „und wenn nicht — so verhüte Gott,daß sie auf mein Geheiß in's Verderben gehe! Nein, ich willnicht das zarte Gewissen des einen Kindes verletzen, undsollte auch das Leben des andern dadurch zu retten sein!"
Ein Römer würde seine Tochter aus verschiedenen Be-weggründen und Gefühlen, aber nicht aus einem heroischenPrincip der Pflicht dem Tode geweiht habe».