133
flössen, mischten sich herbe Tropfen darunter, ihrer eigenenEntwürdigung geweiht.
Als Butler eintrat, saß der alte Mann beim Feuer. Erhielt seine zerlesene Taschenbibel in der Hand, die treue Ge-fährtin der Wanderungen und Gefahren seiner Jugend. DieMorgensonne sandte einen Hellen Lichtssreif durch ein kleinesFenster hinter des Greises Rücken, und beleuchtete seine grauenLocken und die heiligen Worte, die er las. Seine kräftigenZüge, denen ein steter Ernst und die Verachtung alles Irdi-schen etwas Strenges und Hartes geben, hatten den Ausdruckwürdevoller Fassung. Er rühmte sich in nicht geringem Gradeder Eigenschaften, welche Southey den alten Scandinavicrnzuschreibt, die er als „fest im Kampf und unerschütterlich imErdulden" schildert. Das Ganze bildete ein Gemälde, dessenBeleuchtung die eines Rembrandt zu sein schien, dessen Um-risse aber die Kraft und Lebendigkeit eines Michael Angelawürden erfordert haben.
Deans erhob die Augen bei Butlers Eintritt; doch senkteer sie sogleich wieder, als sei sein Anblick ihm überraschend undschmerzlich. Er hatte über diesen mit weltlichem Wissen Aus-gcstattetcn, wie er Butler nannte, ein so stolzes Ansehen be-hauptet, daß es die Bitterkeit seiner Gefühle erhöhte, von ihmin seiner gegenwärtigen Demüthigung gesehen zu werden. DieBibel in der linken Hand erhebend, bedeckte er zum Theil seinGesicht damit, die rechte streckte er weit hinaus gegen Butler,und wandte sich zugleich von ihm ab, als wolle er ihm denschmerzlichen Ausdruck seiner Züge verbergen. Butler ergriffdie ausgestrcckte Hand, die Stütze seiner verwaisten Kindheit,und sie mit seinen Thränen benetzend, vermochte er nur dieWorte hervorzubringen: „Gott möge — Gott möge Sie trösten!"
„Das wird — das thut er, mein Freund," sagte Deans sich