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10 (1851) Der Kerker von Edinburg
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dergleichen Fällen das männliche Geschlecht gern dem schwächernweiblichen zu ertheilen pflegt. Wenn sie hingegen auf denBänken der Schulstnbe sitzend, des Lehrers Aufgaben mit einan-der auswendig lernten, konnte Rüben, ihr eben so überlegenan Schärfe des Geistes, als sie ihn an körperlicher Kraft undGewandtheit übertraf, seiner kleinen Freundin jenen wohl-wollenden Beistand in vollem Maaße vergelten. Er war un-streitig der beste Schüler in der kleinen Dorfschule, und seineGemüthsart so mild, daß das lärmende Völkchen in derselbenihn eher bewunderte als beneidete, obgleich er der erklärteLiebling des Schulmeisters war. Besonders hegten einige Mäd-chen großes Verlangen, sich freundlich und hülfreich gegen denschwächlichen Knaben zu bezeigen, der es allen seinen Gefähr-ten an Fleiß und Artigkeit so sehr zuvvrthat. Rüben Butler'sganzes Wesen war von der Art, sowohl ihr Mitleid als ihreBewunderung in Anspruch zu nehmen, Empfindungen, durchwelche das weibliche Geschlecht, (wenigstens der bessere Theildesselben,) am leichtesten gewonnen wird.

Allein Rüben, von Natur zurückgezogen und blöde, dachtenicht daran, diese günstigen Gesinnungen zu benutzen. SeinerJeanie einzig ergeben, schloß er sich um so fester an sie, dadie warmen Lobsprüche des Lehrers ihm heitere Anssichten indie Zukunft eröffncten, und seinen Ehrgeiz weckten. Indessenmachten die wissenschaftliche» Fortschritte des Knaben, (die fürseine geringen Hülfsmittel bedeutend waren,) ihn minder fähig,seinen landwirthschaftlichen Obliegenheiten irgend einige Auf-merksamkeit zu widmen. Während er über den pons aoinornmim Enclid nachsann, ließ er alles Vieh von der Gemeindeweideauf ein weites Erbfenfeld des Lord Stnmmendeich hinüber-lanfen, und nur die eifrigen Bemühungen der entschlossenenJeanie und ihres kleinen Hundes Staubfnß konnten großenKerker von Edinburg. I. 7