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In einer so zahlreichen Versammlung wurde kaum ein Wortgehört, nur ein leises Flüstern erlaubte man sich. Die Gewiß-heit der Befriedigung hatte den Rachedurst einigermaßen ge-mildert; alles lärmende Frohlocken unterdrückend erwartetedas Volk still und anständig, obgleich finster und unversöhnlich,die Scene der Vergeltung. Es schien, als ob ihr glühenderHaß gegen den unglücklichen Delinquenten es verschmähte, sichdurch etwas kund zu geben, was dem lärmenden Ansbruchihrer gewöhnlichen Gefühle glich. Ein Fremder, nur nach demurtheilend, was er hörte, hätte glauben können, was alle dieseLeute zusammen führe, erfülle sie mit dem tiefsten Kummer,unterdrückte so das lärmende Geräusch, welches großen Ver-sammlungen eigen ist. Allein wer den Ausdruck auf den Ge-sichtern näher betrachtete, mußte eines Andern belehrt werden.Diese zusammcngepreßten Lippen, diese znsammengezogenenAugenbraunen, diese finster glühenden Blicke fast aller, dieman sah, verriethen deutlich die begierige Erwartung, sich andem Anblick mit triumphirendcm Rachgefühl zu weiden. Esist wahrscheinlich, daß das Erscheinen des Verurtheilten dieGesinnung des Volks gegen ihn etwas würde gemildert, unddaß sie im Augenblick des Todes dem Manne würden ver-ziehen haben, gegen den ihr Haß so glühend erregt war. DieWandelbarkeit ihrer Gefühle sollte indeß nicht auf diese Weiseversucht werden.
Die gewöhnliche Stunde zum Erscheinen des Delinquentenwar bereits einige Minuten vorüber, doch die Zuschauer be-merkten kein Zeichen des erwarteten Zuges. „Sollte man eswagen, die öffentliche Gerechtigkeit zu hintergehen?" war dieFrage, welche die Leute mit Besorgniß an einander richteten.Die erste Antwort fiel meistens kühn aus: „Nein, sie wagen esnicht." — Doch a?s man die Sache weiter besprach, wurden an-