Druckschrift 
10 (1851) Der Kerker von Edinburg
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
 

31

dritten warf und sich mit den Zähnen in den Kragen seiner Uni-form festbiß. Robertson stand eine Sekunde wie vom Donnergerührt da und war nicht im Stande, sich der Gelegenheit zurFlucht zu bedienen; doch da der Ruf:Lauf, lauf!" von vielenUmstehenden wiederholt wurde, deren Gefühle sie zu der sehrnatürlichen Theilnahme an seinem Schicksal verleiteten, machteer sich von dem noch übrigen Soldaten los, sprang aus demKirchcnstuhl, mischte sich unter die fortgehende Versammlung,wovon Keiner sich geneigt fühlte, den armen Kerl zurückzuhal-ten, der die letzte Gelegenheit, sein Leben zu retten, benutzte, dieKirchenthür erreichte und der Verfolgung entging.

Die edle Unerschrockenheit, die Wilson bei dieser Gelegenheitgezeigt hatte, erhöhte das Gefühl des Mitleids, welches seinSchicksal begleitete, Das Publicum tritt leicht auf die Seite derUneigennützigkeit und Menschlichkeit hinüber, wenn seine eige-nen Vorurtheile nicht im Spiele sind; und so bewunderte manWilson's Handlung und freute sich über Robertson's Flucht.Dieses allgemeine Gefühl war so mächtig, daß dadurch das un-bestimmte Gerücht veranlaßt wurde, Wilson werde noch aufdem Richtplatz, entweder von dem Pöbel, oder von einigen seineralten Kameraden befreit werden, oder auch durch eine zweiteaußerordentliche und unerwartete Anwendung seiner Kraft undseines Muthes. Die Obrigkeit hielt es für ihre Pflicht, sich gegendie Möglichkeit einer Störung zu schützen. Sie ließ zum Schutzder Execution den größten Theil ihrer eigenen Stadtmiliz aus-rücken, unter dem Commando des Kapitän Porteous, einesMannes, dessen Name durch die traurigen Ereignisse jenes Tagesund die folgende» Begebenheiten nur zu bekannt wurde. Esdürfte nöthig sein, ein Wort über diesen Mann und das von ihmcommandirte Corps zu sagen. Doch der Gegenstand ist wichtiggenug, um damit ein neues Kapitel zu beginnen-