Der Müller und Schmied hielten ebenfalls zu verschiedenen Seiten,und bedachte man das lebendige Temperament dieser beidenStreiter, so war Grund vorhanden zu zweifeln, daß sich dieSache friedlich endigen werde- Aber der Erste, der den Bettlergewahr wurde, rief sogleich: „Ach, hier kommt der alte Edie,der kennt die Regeln aller Spiele besser, als irgend Einer, derje eine Kugel warf, — laßt den Streit ruhen, ihr Bursche, deralte Edie soll entscheiden."
Edie ward begrüßt und mit allgemeinem Beifallruf zumSchiedsrichter ernannt. Mit all der Bescheidenheit eines Bischoffs,dem der Krummstab übergeben wird, oder eines neuen Sprechers,der die Rcdnerbühne betritt, lehnte der alte Mann die hohe Ver-antwortlichkeit ab, der er sich unterziehen sollte, und zum Lohnefür seine Selbstverläugnung und Bescheidenheit hatte er die Freude,von Jung und Alt die wiederholte Versicherung zu hören, daß ergewiß die passendste Person sei, um das Schiedsrichteramt zu ver-sehn. So crmuthigt, schritt er nun ernstlich zur Vollziehung sei-ner Amtspflicht, und nachdem er beiden Parteien alle beleidigendenAusdrücke streng untersagt hatte, hörte er den Schmied und Zoll-einnchmer auf der einen, den Müller und Schulmeister auf der an-dern Seite und ließ sie das Amt eines altern und jüngern Sachwal-ters versehen. Im Innern war indeß Edie über die Sache bereitsin's Reine, ehe noch die Verhandlung begann, wie es auch mitmanchemRichter der Fall ist, der trotzdem alle Formen durchgehenund in vollem Maaße die Beredsamkeit der Advokaten ertragenmuß. Nachdem nun auf beiden Seiten Alles gesagt, ja, vielesmehr als einmal wiederholt war, verkündigte unser Alter nach ge-höriger und reiflicher Berathung, daß der streitige Wurf keine Gel-tung gehabt habe, und daher keiner Partei angerechnct werdenkönne. Diese weise, versöhnende Entscheidung stellte die Eintrachtunter den Spielenden wieder her; sie begannen ein neues Spiel