finstern und melancholischen Charakter angenommen zu haben.Von Staatsämtern durch seine, in der Religion begründete, Un-fähigkeit ausgeschlossen, von allen andern Beschäftigungen aberfreiwillig abgehalten, führte Lord Geraldin ein Leben der streng-sten Zurückgezogenheit. Seine gewöhnliche Gesellschaft beschränktesich auf die Geistlichen seines Glaubens, die gelegentlich seinHaus besuchten; und sehr selten, nur bei hohen Festen, wurdeneinige Familien, welche sich noch zu dem katholischen Glaubenbekannten, in Glenallan bewirthet. Aber dies war auch Alles— die ketzerischen Nachbarn wußten sonst nichts von der Fa-milie; auch selbst die Katholiken sahen wenig mehr, als dieglänzende Bewirthung und feierliche Pracht, die bei solchen Ge-legenheiten entfaltet wurde, von denen Alle zurückkehrten ohnezu wissen, sollten sie mehr das ernste, stolze Wesen der Gräfinbewundern, oder die tiefe und düstere Niedergeschlagenheit,welche nicht einen Augenblick die Wolken von ihres SohnesAntlitz schwinden ließ- Der letzte Todesfall hatte ihn in Besitzseines Vermögens und Titels gesetzt, und die Nachbarschaftstellte bereits Vermutbungen an, ob mit der Unabhängigkeitauch Fröhlichkeit aufleben werde; diejenigen aber, die zufälligmit dem Innern der Familie bekannter waren, verbreitetenein Gerücht, daß des Grafen Gesundheit durch religiöse Strengeuntergraben sei, und daß er höchst wahrscheinlich seiner Mutterbald in's Grab Nachfolgen werde. Dies war um so glaublicher,da sein Bruder an einer schleichenden Krankheit gestorben war,die in den letzten Jahren seines Lebens Körper und Geist zu-gleich angegriffen hatte. Wappenkundige und Genealogen schlu-gen daher bereits in ihren Registern nach, um den Erben dieservom Schicksal heimgesuchten Familie zu entdecken, und dieRechtsgelehrten schwatzten schon mit frohem Vorgefühl von ei-nem „großen Glenallan'schen Prozesse."
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